Online Journalismus
Fachbereich Kommunikationswissenschaft, Abteilung Journalistik
Uni Salzburg | Lektor Helmut Spudich

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Online-Journalismus

hronline.de

7. Oktober 2004|

Online-News: Quick but Dirty?

Die namhaften Online-Nachrichtenmedien verzeichnen erfreulich hohe Nutzerzahlen und sind auf dem Weg, im News-Bereich eine führende Position einzunehmen. Dennoch müssen sie sich die Frage stellen, ob der Aktualitätsdruck zu Qualitätsverlust führt. Leider trifft dies genauso wie bei anderen Medien zu, so ein wichtiges Resümee des 1. Frankfurter Tages des Online-Journalismus.

URL des Original-Beitrags: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5930&key=standard_document_2457964

Problem aller Medien | Dies sei keineswegs nur ein Problem des Online-Journalismus, so Frank Patalong von „Spiegel Online“. Auch in anderen Medien, vor allem in Zeitungsredaktionen, sei die reine Übernahme von Agenturmeldungen weit verbreitet. Negative Folgen: Falschmeldungen häuften sich, weil selbst nicht mehr recherchiert werde. Wer in Google-News nach bestimmten Nachrichten suche, stelle fest, dass die Artikel in verschiedensten Medien deckungsgleich formuliert seien, weil von der Agentur abgeschrieben. Patalong räumt ein, dass selbst bei „Spiegel Online“ fast 80 Prozent der Meldungen auf Agenturmaterial beruhten und nur 20 Prozent auf Eigenrecherche zurückzuführen seien. „Haben wir nicht ein generelles Qualitätsproblem bei allen Medien?“, so seine abschließende Frage.
 
Fehler gibt's überall | Auch Joachim Widmann, stellvertretender Chefredakteur der Netzeitung, ist der Ansicht, dass Online-Nachrichtenredaktionen nicht mehr Fehler produzieren als andere Medien. Im Netz würden aber Fehler schneller bemerkt und die Redaktion durch User-Mails darauf aufmerksam gemacht. Auch der Leiter des WDR-Internetangebots, Stefan Moll, hält es für „völligen Quatsch“, dass in Online-Medien mehr Fehler oder Falschmeldungen produziert würden als in anderen Medien.

Wie kann man die Qualität verbessern? | „Tempodruck“ in den Redaktionen wird von Prof.Lorenz Lorenz-Meyer (FH Darmstadt) als Hauptursache für mangelnde Qualität angesehen. Er fordert eine Abkehr von der „Aktualitätsfixierung“. Stattdessen sollten Online-Redaktionen wie „Spiegel“ oder „Focus“ eigene Formate weiterentwickeln. In diesem Zusammenhang plädierte er für eine Ausweitung der Archivfunktionen. Ein positives Beispiel setze auch das Deutschlandradio mit seinen audio-on-demand-Angeboten.

Warum sind die großen Online-Nachrichtenmedien so erfolgreich? | Tilman Aretz von n-tv.de und Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur von „Spiegel Online“, führen ihren Erfolg bei den Usern auf die ebenso vorhandene Fülle an Hintergrundinformationen zurück. „Spiegel Online“ versuche, aus vorhandenen Nachrichten wichtige Aspekte herauszufiltern, selbst zu recherchieren und dann interessante Hintergrundstücke anzubieten. Dabei lasse man sich nicht unter Zeitdruck setzen. Für Recherche hätten Online-Journalisten im Grunde genommen auch mehr Zeit, sofern die Ressourcen vorhanden seien, als Zeitungsredakteure.

Aretz räumt aber auch ein, dass die Möglichkeit der Echtzeit-Erfassung von Abrufzahlen die Arbeit der Redakteure beeinflusse. Wenn ein journalistisch durchaus interessantes Thema nicht genügend Nutzer finde, versuche der Redakteur, das Thema anders aufzubauen. Die meisten Abrufe erziele man zwar mit „Erotik and Crime“-Themen. Aber darauf lasse man sich nicht ein, weil der User auch eine gewisse Erwartung an das Medium habe, erklären übereinstimmend Aretz und Blumencron.

Kritik an verdeckter Werbung | Schleichwerbung oder versteckte Werbung in seriösen Angeboten beklagte die freie Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti. Ob „Süddeutsche Zeitung“, „Der Spiegel“ oder andere Online-Ableger von namhaften Blättern: Redaktionell verpackt würden dort zum Beispiel Versicherungsvergleiche angeboten. Klicke man auf das Angebot, gelange man aber auf fremde, kommerziell geprägte Inhalte von sogenannten Partneranbietern. Sie befürchtet, dass darunter das Vertrauen der Nutzer in die aufgesuchte Website leiden könnte.

Der 1.Frankfurter Tag des Online-Journalismus fand im Hessischen Rundfunk statt, der gemeinsam mit dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und dem Rundfunkbeauftragten der Evangelischen Kirchen in Deutschland zu der Veranstaltung geladen hatte. Rund 80 Journalisten aus allen Bereichen der deutschen Medienlandschaft nahmen daran teil.