Montag, Juli 30, 2007

BBC on demand

Jede Show zu jeder Zeit: Die BBC macht ihren Zusehern ihr komplettes Programm "on demand" über Internet zugänglich. Mit Hilfe des "iPlayers" haben britische BBC-Kunden 30 Tage lang Zugriff auf die gesamte Programmierung zu dem Zeitpunkt, der ihnen genehm ist. Derzeit nur für WIndows XP verfügbar, hat die BBC versprochen, auch eine Mac-Version heraus zu bringen. Eine Initiative von Direktoren macht sich auch für eine Linux-Version stark.

Unter ihrem Chef Mark Thompson arbeitet die BBC seit einiger Zeit konsequent daran, der Online-Herausforderung durch eine völlige Transformation zu begegnen, wonach der Medienkonzern Internet als gleichberechtigten Kanal mit TV und Radio aufbaut. Dazu gehört neben "on demand"-Programmierung auch ein umfangreiches Netzangebot, das bei News in Großbritannien einen Marktanteil von 50 Prozent oder mehr hält, sowie die EInbindung von User Generated Content.

Auf YouTube sollen künftig Trailer der Programme angeboten werden, berichtet das Wall Street Journal (nur für zahlende Abonnenten); die gesamte jeweilige Sendung gibt es jedoch nur über den iPlayer. Für Märkte außerhalb Großbritanniens, wo ähnlich wie in AT Zuseher einer Lizenzgebührenpflicht unterworfen sind, sollen Gebühren-Modelle erwogen werden.

Donnerstag, Mai 24, 2007

Verlagshaus Amazon (2)

Neulich kaufte der Onlinehändler Amazon.com das Online-Fotomagazin Dpreview.com, jetzt hat sich Amazon den Hörbuch-Verlag Brilliance Audio zugelegt. Möglicherweise ein weiterer Schritt zu multimedialen Online-Verlagen des 21. Jahrhunderts – Drucker hielten sich Zeitungen und Buchverlage, Onlinekonzerne eben zunehmend Onlinemedien. Man könnte argumentieren, dass "Onlinemedium" von Anfang an in die Gene von Amazon.com geschrieben stand, siehe eigene Redaktion für Buch-, Musik- und Produktbesprechungen, und natürlich vor allem: User-Reviews, quasi Web 2.0 in Urform.

Derzeit bietet der Finanzinvestor Terra Firma für das Musiklabel EMI, dessen nicht-kopiergeschützten MP3-Musik Amazon im Herbst in Konkurrenz zu Apples iTunes Store anbieten will; Amazon als EMI-Käufer hätte durchaus eine kommerzielle Logik für den Onlinehändler: Denn Online schaltet tendenziell den Mittelsmann aus, also wäre EMI im Amazon-Besitz zugleich im Besitz seiner Vertriebsstruktur (langfristig gedacht, wenn CDs durch Downloads ersetzt sind).

Und für Medien kann man ähnliches konstatieren: Früher waren die Erzeugungsmittel zentral (Druck erfordert eine hohe Investition als Voraussetzung für journalistische Tätigkeit), bei elektronischen Medien sind die Vertriebswege (die Kanäle) zentral, während die Produktionsmittel fast zum Nulltarif verfügbar sind. Derzeit wird Reuters übernommen, für Dow Jones (Herausgeber des Wall Street Journal) gibt es Übernahmeangebote von Murdoch / News Inc. – könnte gerade so gut von Yahoo oder Google kommen. Fast schon vergessen: Microsofts Ausflug ins Fernsehen (MSNBC) und in Onlinemedien (Slate, heute Washington Post).

Mittwoch, Mai 23, 2007

Google abschöpfen

Die US-Zeitungsindustrie scheint ein altes Thema neu aufwärmen zu wollen: Von Google Geld für die Verlinkung zu kassieren. Eine Art "Google Quarter" (nach der 25-Cent-Münze) will der neue Eigentümer der Tribune Company (Chicago Tribune, Los Angeles Times), Sam Zell, von Google kassieren. Gemeint sind die Geschichten-Anrisse, die Google bei seiner News-Suche aus den Zeitungen verwendet und mit Links auf Google-Seiten platziert.

In Europa gab es dazu u.a. einen Prozess mit belgischen Zeitungen; das Gericht urteilte, dass die Google-Praxis eine Verletzung des Urheberrechts sei, woraufhin Google die Indizierung der Zeitungen der Gruppe stoppte. Inzwischen gab es einen Vergleich, die Zeitungsgeschichten werden wieder indiziert, ob dafür bezahlt wird ist nicht bekannt. Mit den Agenturen Agence France Press (AFP) und Associated Press (AP) hat Google Lizenzvereinbarungen über die Verwendung von Meldungen und Fotos geschlossen, auch hier sind die Konditionen nicht bekannt.

Eine berechtigte Frage, die seit geraumer Zeit auch in der Blogosphäre debattiert wird (weil es auch hier "Aggregatoren" wie die "Presse" in Österreich gibt, die auf ihren Seiten die RSS-Feeds von Blogs präsentiert), für die harte Daten fehlen. Denn: Natürlich bringt dieser verkürzte Content Google Besucher, aber andererseits bringt er den Medien (auch Blogs) Besucher, wenn diese Leserinnen und Leser auf den jeweiligen Newssite weiter gehen. Kann aber auch sein, dass Headline & Anriss oft genug sind für den schnellen Überblick, dann bringt es Google Visits, den Zeitungen nicht.

Mit einiger Sicherheit hat Google Daten dazu: Denn natürlich registriert die Suchmaschine, wer von einer Seite auf welchen Link weitergeht. Die Forderung muss daher sein: Diese Daten offen zu legen, um der Debatte eine sachliche Basis zu geben.

Dienstag, Mai 15, 2007

Amazon, das Verlagshaus

In Zeiten von Web 2.0 verwischen traditionelle Grenzen des Journalismus. Jüngstes Beweisstück: Amazon.com, der weltgrößte Online-Händler, hat die kleine, feine Website Dpreview.com gekauft. Das in London gemachte "Digital Photography Review" ist ein von Fotografen, Profis wie Amateuren, sehr geschätztes (und mit sieben Millionen Unique Users monatlich außerordentlich gut besuchter) Fotomagazin. Geboten werden exzellente, herstellerunabhängige Digicam-Tests, aktuelle Ankündigungen von Herstellern, Knowhow rund um Digitalfotografie. Das alles in einer klaren Packung -- kein Schmus, keine "Bestes Bild des Monats"-Rubriken, just the facts.

Warum kauft jetzt Amazon.com eine Website, die man als Fachjournal bezeichnen kann? Im Moment noch schwer zu sagen, aber in vielfacher Form ist Amazon.com schon seit seiner Gründung und dem Grundkonzept nach auch ein Content-Lieferant. Bleiben wir bei Büchern, Musik und Filmen: Zu so gut wie jedem Produkt stellt eine eigene Amazon-Redaktion Besprechungen dazu, was üblicherweise das "Geschäft" von Kulturredaktionen ist. Jetzt könnte man unterstellen, dass diese Besprechungen geschönt sind, da ein Kaufmann seine Produkte nicht schlecht machen wird -- aber völlig ungeschönt finden sich anschließend die Kommentare von Amazon-Kunden (inkl. Sternderl-Bewertungen), und von denen habe ich schon ziemlich unschöne gesehen (obwohl es auch Fälle gab, wo Autoren für gute "Leser-Besprechungen" sorgten).

Von da bis zum Einkauf einer produktbezogenen (Kameras), journalistischen Website ist nur noch ein logischer Schritt: Quasi die ausgelagerten Produktbesprechungen von den Experten. Nebenbei: Da Amazon.com Händler, nicht Hersteller ist, kratzen ihm theoretisch schlechte Rezensionen wenig, denn sie verhindern nicht einen Kauf an sich, sondern steuern ihn nur zu anderen, besser besprochenen Produkten. Also kann man genauso gut unabhängigen Service-Journalismus unterhalten.

Und falls das mit der Unabhängigkeit doch nicht klappt: Das Korrektiv ist die Community selbst -- schon jetzt gibt es im Netz eine Debatte darüber, ob Dpreview.com unter dem neuen Eigentümer funktionieren kann. Wenn nicht: Wir werden darüber lesen.

Lokalberichterstattung nach Indien outsourcen


"Wir suchen einen Zeitungsjournalisten in Indien,
der über den Stadtrat und die politische Szene in Pasadena, Kalifornien, berichtet." IT-Spezialisten, Callcenters und medizinische Dienste wurden bereits nach Indien ausgelagert, jetzt offenbar auch Lokalberichterstattung.

Für James Macpherson, Chefredakteur und Verleger der zwei Jahre alten Nachrichten-Website Pasadenanow.com scheint es logisch:Die wöchentliche Sitzung des Stadtrats wird per Internet übertragen, und "ob man inBombay oder in Pasadena sitzt, man ist immer nur eine E-Mail oder einenAnruf von einem Interview entfernt", zitiert die Nachrichtenagentur AP Macpherson, und wirtschaftlich sei es aufgrund niedriger Lohnkosten auf jeden Fall. "Ein trauriges Bild, was aus dem amerikanischen Journalismus werden könnte", sieht hingegen Bryce Nelsen, Professor für Journalismus an der Uni Südkalifornien. "Niemand mit klarem Verstand" vertraue der Berichterstattung von Menschen, die mit den örtlichen Umständen nicht vertraut seien.

Montag, April 23, 2007

Medien Remixed

USA Today wird vom Online-News Start-Up Politico Geschichten übernehmen, berichtet die New York Times. Politico ist eine drei Monate alte Gründung einer Handvoll von Washington-Post-Veteranen, eine Mischung aus politischem Kommentar, Blog und Gossip-Stories, die die politische Szene Washington, D.C., beleuchten.

Die Kooperation der Zeitung mit der Website zeigt eine Reihe von Möglichkeiten künftiger Entwicklungen: Webjournalismus wie Politico, Wonkette oder The Huffington Post sind im Kern Gründungen von Journalisten und nicht von "Citizen Journalists", und sie sind "opinionated journalism" – nicht so sehr Berichterstattung als Glossierung und Kommentierung von Ereignissen und Berichten. Durch die Übernahme der Geschichten dieser Websites durch andere Medien wird daraus ein Syndizierungsmodell, so wie bei Agenturen – aber in erster Linie von Meinung, nicht von Berichten.

Gutes Beispiel dafür waren die Aufmachergeschichten von Politico und Huffington Post an diesem Montag: Beide schrieben über ein Schreiduell zwischen Karl Rove, dem Spindoctor von George W. Bush, mit der Schauspielerin Sheryl Crow beim jährlichen Korrespondenten-Ball im Weißen Haus, bei dem es um die Umweltpolitik der Regierung Bush ging. Ein Bericht darüber fand sich u.a. auch in der New York Times, allerdings deutlich weniger prominent platziert als auf den Online-Newssites-

Mainstream-Medien wie USA Today loggen sich damit in die lockere Art des Schreibens und der Kommentierung von Online-Medien ein, ohne ihre eigene Identität zu wechseln. Natürlich kann dies aber auch über kurz oder lang daraus hinauslaufen, dass man weniger eigene Elemente dieser Art selbst produziert (und weniger Journalisten dafür beschäftigt).

Die Newcomer wiederum haben dadurch Chancen auf größere Reichweite, und sie haben gute Aussichten, dass einige Leserinnen und Leser direkt bei ihnen hängen bleiben: Warum sollte man nur die übernommenen Geschichten bei USA Today konsumieren, wenn man das ganze Programm einfach direkt täglich anschauen kann?

Auch in Österreich gibt es solche Ansätze zu sehen, wie beim "Fangnetz" der Presse, das aus einer Reihe von politischen Blogs Beiträge übernimmt, mit Links zu den jeweiligen Blogs. Da hier kein Geld für die Übernahme bezahlt wird, ist dies weniger eine Form der Syndizierung als "Abschöpfung" ("Fangnetz" ist wohl auch ein entsprechend offenherziger Titel für diese Vorgangsweise). Die Diskussion darüber, ob dies eine legitime Form der Verlinkung ist oder einfach Ausbeutung der unbezahlten Blogger läuft schon länger; letztlich geht es auch bei der Debatte (und Rechtsstreit. u.a. in Belgien gibt) über Google News (übernimmt Schlagzeilen und Einstiegszeilen von Nachrichten, mit Links zu den Seiten) um diese Frage.

Was folgt daraus? Derzeit ist dies ein Ökosystem in heftiger Entwicklung, noch leben alle Beteiligten relativ gut von diesen Grenzüberschreitungen: Die einen (Mainstream-Medien) experimentieren mit den neuen Medien, ohne gleich selbst dramatische Änderungen vorzunehmen (und dämpfen vielleicht den Sinkflug ihrer Leserschaft). Die anderen bekommen Anerkennung, Aufwertung und höhere Reichweite und geben es dafür derzeit zumindest billger. In Web-2.0-Manier also ein Remix. Wobei Mainstream-Medien wesentlich zickiger sind wenn es um die Übernahme ihrer Inhalte geht: Da ist schnell der Schrei vom verletzten Urheberrecht zu hören. Ein bissl weniger zimperlich zu sein würde ihnen gut anstehen, denn sie leben ganz gut von den Urheberrechtsverletzungen zu ihren Gunsten.

Montag, März 19, 2007

Das Leser-Netzwerk

Ein weiterer Versuch in Sachen "Leser machen sich ihre News selbst:" Jay Rosen, Journalismusprofessor an der New York University, baut an einem gemeinsamen Netz von Profis und Amateuren für die Berichterstattung. Er sieht das ganze so: Wenn Geschichten entstehen, denn zapfen professionelle Journalisten ihre Quellen ("sources") an. Die weltweite Leserschaft ("crowd") ist nichts anderes als eine riesige potenzielle Quelle für Journalisten, die sie über entsprechende wikipedia-artige Websites anzapfen können – das nennt Rosen dann "crowd sourcing". Hier schreiben alle, die was wissen, das zusammen, und der Profi bedient sich daraus so, wie er sich aus den Information seiner kleineren Quellenschar bedienen würde, um seine Geschichte zu recherchieren und zu berichten. Das Ganze, von Rosen zusammen mit dem Magazin Wired gegründet, nennt sich dann "Assignment Zero", und weil man ja mit irgendwas anfangen muss, ist "Crowdsourcing" das erste Assignment für die "früher als Publikum bekannten Leute". (Ausführlicher Bericht in der New York Times.)

[ Nachsatz: Interessanter Versuch bei umfangreichen Themen, bei denen die Wahrnehmungen einer breiten Gruppe von Menschen auch was beitragen können, und auch genug Zeit für diese Art von Recherche ist. Das Problem vieler journalistischer Themen besteht allerdings darin, dass Information geheim gehalten wird oder nur ungern preis gegeben wird – zur Aufdeckung der Vorgänge in der Bush-Administration, die zur Enthüllung der CIA-Agentin Valerie Plane geführt haben, ist "Crowd sourcing" ziemlich sicher unergiebig: Nur wenige Leute wussten davon, und die wollten sich sicher nicht outen. Zeit ist ein weiterer Faktor: Wie schnell reagiert "Leserschaft" auf solche Assignments? ]

Freitag, März 02, 2007

BBC sendet auf YouTube

Zwar nicht ganz so spektakulär oder ein "Megadeal" wie das den Kollegen von Spiegel online locker von den Tasten fließt, aber eine sehr interessante Entwicklung: Die British Broadcast Corporation, BBC, schließt ein Abkommen mit YouTube über die Bereitstellung von Programmen auf der populären Videosite. YouTube gehört seit einiger Zeit zum Google-Reich. (Dazu auch Bericht in der New York Times.)

Die BBC wird "Channels" bei YouTube bestellen: BBC News mit Nachrichten, BBC Worldwide mit populären BBC-Programmen und Dokumentationen, und auch aktuelle Serien der BBC.

Was es bedeutet: Erst mal für YouTube ein Fortschritt bei seinem Kampf mit Medienunternehmen. Denn hier hängt immer wieder das Damoklesschwert einer sehr teuren Urheberrechtsklage wegen der Verwendung geschützter Inhalte durch YouTube-Benutzer. Erst vor kurzem hat YouTube 100.000 Clips von seiner Site entfernt, nachdem Viacom entsprechend reklamierte.

Die BBC verfolgt damit ihre Entwicklung, dass Internet zu einem weiteren Vertriebskanal für ihre Programme wird – was ja die zentrale These von BBC-Chef Mark Thompson ist. Schon bisher hat die BBC einen eigenen Medienplayer für TV on Demand, YouTube stellt den Anschluss zu einem breiteren Publikum – und mögliche Werbeerträge – her. Was nicht ohne Kritiker in Großbritannien ist: Denn damit kann sich der öffentlich-rechtliche Sender außerhalb Großbritanniens ohne Auflagen durch das Gesetz mit seinem reichhaltigen Angebot tummeln.