Donnerstag, November 11, 2004

eBay schnappt sich Kleinanzeigen

Es ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, welche Auswirkungen diese Meldung aus der Welt des dotcom-Kapitalismus auf Medien haben könnte: Das Online-Auktionshaus eBay kauft um 290 Mio. Dollar Martkplaats.nl, den größten niederländischen Onlinemarkt für Kleinanzeigen.

Kleinanzeigen -- im Verlagsjargon "Rubrikenmärkte" genannt -- waren bisher das Rückgrat von Qualitätsmedien; nach manchen Schätzungen haben Zeitungen wie die F.A.Z. oder die Süddeutsche Zeitung bis zur Hälfte ihres Anzeigenumsatzes mit Kleinanzeigen gemacht, bis sie in den vergangenen drei Jahren dramatisch zurückgingen -- einerseits wegen der Wirtschaftskrise (z.B. höhere Arbeitslosenzahlen = weniger Stellenanzeigen), andererseits wegen des florierenden informellen und formellen Stellenmarkts im Internet. Die schlechte Nachricht: Auch bei besserer Wirtschaftslage kommen die Kleinanzeigen nicht mehr zurück. Darum haben sich die Verlage zunehmend in den Online-Rubrikenmärkten engagiert, um dort ein bisschen von dem verlorenen Geld wieder einzusammeln, siehe stellenanzeigen.de

Die Gleichung sieht jetzt so aus: Weniger Kleinanzeigen = deutlich weniger Kohle für Qualitätszeitungen = schlankere Zeitungen = weniger Qualitätsjournalismus. Aber das schlimmste kommt erst, und damit sind wir wieder bei eBay: Der Kleinanzeigenmarkt im Web ist auf eine Zeitung als Medium nicht mehr angewiesen, er funktioniert einfach für sich. Zwar ist bisher das Amazon.com oder eBay.com der Kleinanzeigen noch nicht entstanden -- aber die Logik ist groß, dass auch bei Kleinanzeigen ein internationaler Anbieter alles an sich zieht. Für eBay, das zuvor schon eine Handvoll anderer Online-Kleinanzeiger erworben hat ("um Erfahrung zu sammeln", wie es in den Unternehmensmitteilungen hieß), wäre eine Kleinanzeige ähnlich wie eine Auktion auch nur eine weitere Form der Transaktion, für die fast alles vorhanden ist: Eine effiziente Technologie zur Abwicklung und ein großer Markenname, den sich selbst Internet-Anfänger merken können. Für Verlage ist in diesem Bild eigentlich kaum noch Platz.