Heute schon gebloggt?
Es gibt immer viel zu sagen, und fast immer jemand, der zuhört. Content-Heimwerker haben Hochsaison – hier zum Theme selbstgemachter Content meine Kolumne "Digital Stoff" aus dem Rondo (Der Standard, 21. Jänner 2005)
Der Tsunami hat einmal mehr Blogs – Onlinejournale jeder Art– auch im deutschen Sprachraum ins Licht der Öffentlichkeit gebracht. Manche der privaten Videos und Bilder von der Flutwelle waren zuerst im Netz zu sehen, ehe sie von TV-Sendern und Medien aufgegriffen wurden. Natürlich musste auch ein wenig professionelle Empörung in den Medien sein, die den angeblich neuen Voyeurismus von privater Seite im Moment des menschlchen Elends anprangerten. Aber da wäre viel vor der eigenen Tür zu kehren: Auch der Profi (und das Profil) hält „drauf“ wenn es entsetzlich wird, damit Bilder von Wasserleichen den Kauf von Magazinen ankurbeln.
Selbst gemachter Content liegt quasi in den Genen des Internets, seit Wissenschafter entdeckten, dass das Arpanet (der Urgroßvater des heutigen Internets) nicht nur zu Steuerung von Atomwaffen benutzt werden konnte, sondern für Tratsch jeder Art. Seither wird gechattet und gepostet, was das Zeug hält. Die Kombination an technologischer Weiterentwicklung (von billigen Ditialkameras bis zu einfachen Redaktionssystemen) und der Massenzuzug ins Internet hat dem eine neue Qualität gegeben: Jeder User ein potenzieller Journalist, oder in Hinblick auf die Tsunami-Katastrophe: Jeder Augenzeuge ein potenzieller Reporter.
Natürlich entsteht dabei auch viel Müll, zumindest aus der Sicht einer größeren Leserschaft. Aber Internet hält als Deponie menschlicher Absonderungen viel aus, ohne damit irgendjemand zu belasten: Denn anders als Spam, der uns ohne wirkungsvolle Möglichkeit zur Abwehr in die Mailbox gedrückt wird, kann man Blogs und andere Veröffentlichungen wunderbar ignorieren – oder eben auf das tägliche Lesemenü setzen, wenn man an ihnen Gefallen findet. Auch dabei helfen neuere Techniken wie RSS, die das Einsammeln neuer Einträge erleichtern.
Content im Eigenbau ist das authentischere „Taxi Orange“ und hat das Potenzial, das Demokratisierungsversprechen der „neuen Medien“ einzulösen. Natürlich müssen wir alle dazulernen: Welchen Bloggern trauen wir, wenn es um Nachrichten geht? Welche privaten Dinge stellen wir ins Netz, ohne bösen Zeitgenossen eine Möglichkeit zu geben uns und anderen zu schaden? In Schweden wurde Online-Vermisstenlisten wieder gesperrt, nachdem Einbrecher die Gelegenheit verwaister Wohnungen schamlos ausnutzten. Aber unterm Strich ist das Heimwerkertum eine große Bereicherung unserer Medienkultur – und Spaß macht es obendrein.
Der Tsunami hat einmal mehr Blogs – Onlinejournale jeder Art– auch im deutschen Sprachraum ins Licht der Öffentlichkeit gebracht. Manche der privaten Videos und Bilder von der Flutwelle waren zuerst im Netz zu sehen, ehe sie von TV-Sendern und Medien aufgegriffen wurden. Natürlich musste auch ein wenig professionelle Empörung in den Medien sein, die den angeblich neuen Voyeurismus von privater Seite im Moment des menschlchen Elends anprangerten. Aber da wäre viel vor der eigenen Tür zu kehren: Auch der Profi (und das Profil) hält „drauf“ wenn es entsetzlich wird, damit Bilder von Wasserleichen den Kauf von Magazinen ankurbeln.
Selbst gemachter Content liegt quasi in den Genen des Internets, seit Wissenschafter entdeckten, dass das Arpanet (der Urgroßvater des heutigen Internets) nicht nur zu Steuerung von Atomwaffen benutzt werden konnte, sondern für Tratsch jeder Art. Seither wird gechattet und gepostet, was das Zeug hält. Die Kombination an technologischer Weiterentwicklung (von billigen Ditialkameras bis zu einfachen Redaktionssystemen) und der Massenzuzug ins Internet hat dem eine neue Qualität gegeben: Jeder User ein potenzieller Journalist, oder in Hinblick auf die Tsunami-Katastrophe: Jeder Augenzeuge ein potenzieller Reporter.
Natürlich entsteht dabei auch viel Müll, zumindest aus der Sicht einer größeren Leserschaft. Aber Internet hält als Deponie menschlicher Absonderungen viel aus, ohne damit irgendjemand zu belasten: Denn anders als Spam, der uns ohne wirkungsvolle Möglichkeit zur Abwehr in die Mailbox gedrückt wird, kann man Blogs und andere Veröffentlichungen wunderbar ignorieren – oder eben auf das tägliche Lesemenü setzen, wenn man an ihnen Gefallen findet. Auch dabei helfen neuere Techniken wie RSS, die das Einsammeln neuer Einträge erleichtern.
Content im Eigenbau ist das authentischere „Taxi Orange“ und hat das Potenzial, das Demokratisierungsversprechen der „neuen Medien“ einzulösen. Natürlich müssen wir alle dazulernen: Welchen Bloggern trauen wir, wenn es um Nachrichten geht? Welche privaten Dinge stellen wir ins Netz, ohne bösen Zeitgenossen eine Möglichkeit zu geben uns und anderen zu schaden? In Schweden wurde Online-Vermisstenlisten wieder gesperrt, nachdem Einbrecher die Gelegenheit verwaister Wohnungen schamlos ausnutzten. Aber unterm Strich ist das Heimwerkertum eine große Bereicherung unserer Medienkultur – und Spaß macht es obendrein.


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