Wo keine (zahlreichen) Leser, da keine Verleumdung
Weil nur fünf User eine Geschichte angeklickt haben, wurde eine Verleumdungsklage zurückgewiesen: Das Wall Street Journal hatte den saudi-arabischen Geschäftsmann Yousef Jameel als Geldgeber von Al-Kaida in einer Geschichte genannt, woraufhin dieser wegen Verleumdung klagte. Ein britisches Berufungsgericht hob nunmehr die Verurteilung erster Instanz gegen WSJ-Herausgeber Dow Jones auf – es seit Zeitverschwendung des Gerichts, der Klage nachzugehen, da nur fünf Leser die betreffende Geschichte angeklickt hätten. (Bericht im Media.Guardian, dem Medienteil des Guardian; Gratis-Registrierung erforderlich).
Das Gericht nahm damit nicht Stellung zum Wahrheitsgehalt der Behauptung selbst. Lord Phillips begründete seine Entscheidung damit, dass es eine "substanzielle" Zahl von Lesern geben müsse, damit eine gerichtliche Verfolgung der Klage gerechtfertigt sei – sonst sei dies ein Missbrauch der Gerichte. Das britische Urteil ist das Gegenteil der Entscheidung eines australischen Gerichts, das 2002 befunden hatte, dass die Frage eienr Verleumdung unabhängig von der Leserzahl sei.
Aber interessant: Die Zahl derer, die jetzt von Yousef Jameel und seinen angeblichen finanziellen Verwicklungen mit Al-Kaida erfahren haben, ist dank des Multiplikatoreffekts des Internet jetzt sicherlich ein vielfaches der Leserzahl des ursprünglichen WSJ-Artikels. Und stellen wir uns einmal vor, zu den ursprünglichen fünf Leserinnen gehörte eine gewisse Dr. Condoleeza Rice, jetzt US-Außenministerin; dann wäre der Effekt auch von nur einem Leser wohl ein substanziell anderer als wenn hunderte unbedarfte Briten das gelesen hätten. Lord Phillips, wie sehen Sie das?
Das Gericht nahm damit nicht Stellung zum Wahrheitsgehalt der Behauptung selbst. Lord Phillips begründete seine Entscheidung damit, dass es eine "substanzielle" Zahl von Lesern geben müsse, damit eine gerichtliche Verfolgung der Klage gerechtfertigt sei – sonst sei dies ein Missbrauch der Gerichte. Das britische Urteil ist das Gegenteil der Entscheidung eines australischen Gerichts, das 2002 befunden hatte, dass die Frage eienr Verleumdung unabhängig von der Leserzahl sei.
Aber interessant: Die Zahl derer, die jetzt von Yousef Jameel und seinen angeblichen finanziellen Verwicklungen mit Al-Kaida erfahren haben, ist dank des Multiplikatoreffekts des Internet jetzt sicherlich ein vielfaches der Leserzahl des ursprünglichen WSJ-Artikels. Und stellen wir uns einmal vor, zu den ursprünglichen fünf Leserinnen gehörte eine gewisse Dr. Condoleeza Rice, jetzt US-Außenministerin; dann wäre der Effekt auch von nur einem Leser wohl ein substanziell anderer als wenn hunderte unbedarfte Briten das gelesen hätten. Lord Phillips, wie sehen Sie das?


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