Donnerstag, Mai 24, 2007

Verlagshaus Amazon (2)

Neulich kaufte der Onlinehändler Amazon.com das Online-Fotomagazin Dpreview.com, jetzt hat sich Amazon den Hörbuch-Verlag Brilliance Audio zugelegt. Möglicherweise ein weiterer Schritt zu multimedialen Online-Verlagen des 21. Jahrhunderts – Drucker hielten sich Zeitungen und Buchverlage, Onlinekonzerne eben zunehmend Onlinemedien. Man könnte argumentieren, dass "Onlinemedium" von Anfang an in die Gene von Amazon.com geschrieben stand, siehe eigene Redaktion für Buch-, Musik- und Produktbesprechungen, und natürlich vor allem: User-Reviews, quasi Web 2.0 in Urform.

Derzeit bietet der Finanzinvestor Terra Firma für das Musiklabel EMI, dessen nicht-kopiergeschützten MP3-Musik Amazon im Herbst in Konkurrenz zu Apples iTunes Store anbieten will; Amazon als EMI-Käufer hätte durchaus eine kommerzielle Logik für den Onlinehändler: Denn Online schaltet tendenziell den Mittelsmann aus, also wäre EMI im Amazon-Besitz zugleich im Besitz seiner Vertriebsstruktur (langfristig gedacht, wenn CDs durch Downloads ersetzt sind).

Und für Medien kann man ähnliches konstatieren: Früher waren die Erzeugungsmittel zentral (Druck erfordert eine hohe Investition als Voraussetzung für journalistische Tätigkeit), bei elektronischen Medien sind die Vertriebswege (die Kanäle) zentral, während die Produktionsmittel fast zum Nulltarif verfügbar sind. Derzeit wird Reuters übernommen, für Dow Jones (Herausgeber des Wall Street Journal) gibt es Übernahmeangebote von Murdoch / News Inc. – könnte gerade so gut von Yahoo oder Google kommen. Fast schon vergessen: Microsofts Ausflug ins Fernsehen (MSNBC) und in Onlinemedien (Slate, heute Washington Post).