Montag, Februar 21, 2005

Web-Shopping geht weiter

Happy Days Are Here Again: Die Online-Einkaufstour geht weiter, fast wie in den fröhlichen Tagen der späten Neunziger Jahre. Am 8. Februar konnte die New York Times noch melden, "About.com Is for Sale", am 18. Februar durfte dieselbe Reporterin bereits den Vollzug berichten "The Times Company Acquires About.com for $410 Million" (ein paar Tage noch ist der Artikel gratis zu lesen, unentgeltliche NYT-Registrierung vorausgesetzt).

About.com ist quasi eine Art überdimensioniertes "Hobby", das 60er-Jahre Magazin über alles, was Menschen so interessieren könnte -- "Whether it be home repair and decorating ideas, recipes, movie trailers, or car buying tips, our Guides offer practical advice and solutions for every day life." 22 Mio. User zählt der Site, womit sich die Times Company zusammen mit ihren 13 Mio. User ihrer über 40 Sites von der New York Times bis zum Boston Globe jetzt als zwölftgrößten Onlineanbieter sieht.

In den USA geht damit die Konzentration im Onlinebereich munter weiter, alles im Kampf um mehr Anzeigenfläche, da Onlinewerbung wieder Hoffnung macht. Was bisher geschah: DowJones kaufte CBS MarketWatch und die Washington Post das Webzine Slate von Microsoft. Fortsetzung folgt.

Samstag, Februar 05, 2005

Wo keine (zahlreichen) Leser, da keine Verleumdung

Weil nur fünf User eine Geschichte angeklickt haben, wurde eine Verleumdungsklage zurückgewiesen: Das Wall Street Journal hatte den saudi-arabischen Geschäftsmann Yousef Jameel als Geldgeber von Al-Kaida in einer Geschichte genannt, woraufhin dieser wegen Verleumdung klagte. Ein britisches Berufungsgericht hob nunmehr die Verurteilung erster Instanz gegen WSJ-Herausgeber Dow Jones auf – es seit Zeitverschwendung des Gerichts, der Klage nachzugehen, da nur fünf Leser die betreffende Geschichte angeklickt hätten. (Bericht im Media.Guardian, dem Medienteil des Guardian; Gratis-Registrierung erforderlich).

Das Gericht nahm damit nicht Stellung zum Wahrheitsgehalt der Behauptung selbst. Lord Phillips begründete seine Entscheidung damit, dass es eine "substanzielle" Zahl von Lesern geben müsse, damit eine gerichtliche Verfolgung der Klage gerechtfertigt sei – sonst sei dies ein Missbrauch der Gerichte. Das britische Urteil ist das Gegenteil der Entscheidung eines australischen Gerichts, das 2002 befunden hatte, dass die Frage eienr Verleumdung unabhängig von der Leserzahl sei.

Aber interessant: Die Zahl derer, die jetzt von Yousef Jameel und seinen angeblichen finanziellen Verwicklungen mit Al-Kaida erfahren haben, ist dank des Multiplikatoreffekts des Internet jetzt sicherlich ein vielfaches der Leserzahl des ursprünglichen WSJ-Artikels. Und stellen wir uns einmal vor, zu den ursprünglichen fünf Leserinnen gehörte eine gewisse Dr. Condoleeza Rice, jetzt US-Außenministerin; dann wäre der Effekt auch von nur einem Leser wohl ein substanziell anderer als wenn hunderte unbedarfte Briten das gelesen hätten. Lord Phillips, wie sehen Sie das?

Dienstag, Februar 01, 2005

Happy 10th Birthday, derStandard.at!


Am 1. Februar 1995 ging Der Standard mit 25 Artikeln als erste deutschsprachige Tageszeitung ins Netz, derStandard.at war geboren. Heute werden täglich mehr als 500 Beiträge veröffentlicht, die rund 814.000 Unique Users finden. Ihren Umsatz beziffert die Bronner Online AG, die 2000 als eigenständige Gesellschaft gegründet wurde, damals vor dem Dotcom-Crash mit 75 Mio. Euro bewertet wurde und fast an die Börse ging, im vergangenen Jahr mit vier Millionen Euro und das Ergebnis als "positiv" -- womit sie dem Spiegel Online, der vor wenigen Monaten gleichfalls 10 wurde, was voraus hat: Denn Spiegel Online machte bei rund fünf Mio. Euro Umsatz im Vorjahr einen Verlust von 1,5 Mio. Euro. Die virtuelle Geburtstagsfeier und viele Geschichte(rl)n über die 10-Jahres-Geschichte findet sich bei derStandard.at.