Mittwoch, Jänner 25, 2006

"Grassroots Journalism" keine "g'mahde Wies'n"

Ein Protagonist von "Citizen Journalism" – quasi von Lesern für Leser gemachter Journalismus – sperrt sein erstes Projekt zu und zieht eine Reihe interessanter Lehren für die weitere Entwicklung.

Dan Gillmor war Technologie-Redakteur und Kolumnist bei der San Jose Mercury News, in den 90er-Jahren eine der ersten Zeitungen im Internet und dank seiner Technologie-Coverage über Silicon Valley weit über seine regionale Leserschaft hinaus bekannt. Gillmors Credo: Online-Technologien demokratisieren Journalismus und bisher passive Leser steigen als aktive Teilnehmer in den Fluss der Berichterstattung ein; "We the Media" ist das Buch, in dem Gillmor seine Beobachtungen und Thesen ausbreitete, "Bayosphere" war der Website, mit dem er zeigen wollte, dass aus den Thesen auch ein brauchbares Geschäftsmodell gebaut werden konnte. "Citizen Journalism" sollte auch als For-Profit-Modell und nicht nur als Non-Profit-Modell funktionieren.

Zumindest in der Form von "Bayosphere" tat es das zumindest nicht, Gillmor stoppte das kommerzielle Projekt, das von Risikokapitalgebern finanziert wurde. Die nächste Zukunft für die Entwicklung sieht Gillmor doch im Non-Profit-Bereich, bis auf weiteres bei dem NPO-Projekt "Centers for Citizen Media".

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Sonntag, Jänner 22, 2006

Die Stunde der Integration

Viele jüngere Internet-Entwicklungen wie Blogs, Websites für Fotosharing, Podcasting oder "Social Sofware" finden massenhafte Anwendung, aber liegen weitgehend verstreut in der Online-Landschaft. Wir surfen und finden Geschichten, die wir bloggen wollen – also gehen wir zu unserem Blog, loggen ein, suchen uns Links und Bilder zusammen, schreiben den Text. Das sind natürlich alles wunderbare Möglichkeiten, die vor ein paar Jahren nur die frühesten "Freaks" und heute ein frühes Massenpublikum haben.

Aber wie jede Produktion schreien diese Vorgänge nach einer integrierten Vorgangsweise und ein neuer Webbrowser, Flock, zeigt wo die künftige Entwicklung lang geht: Die Integration all dieser Teile zu einem integriert zu bedienenden Ganzen. Dieser Eintrag wurde mit einem Texteditor erstelle, den Flock in einem Popup-Fenster zur Verfügung stellt, und das nachfolgende Bild wurde aus Flickr.com übernommen, ohne dass ich erst meine Sammlung öffnen musste – weil Flock meine Bilder in einer Leiste über dem Flickr PhotoTexteditor automatisch anzeigt; per Drag Drop wird das Bild eingefügt. Fertig und wie immer "Publish" klicken. (Zugegeben, das Bild passt nicht zum Thema, es ist nur zur Demonstration gedacht.)

Flock nennt sich der Browser für Web 2.0 und es gibt erst einen "Developer Build", also eine Version, die noch in Entwicklung ist. Anschauen, ausprobieren lohnt sich trotzdem.


Samstag, Jänner 07, 2006

Die neuen Video-Selbststaendigen

Die Sterne stehen 2006 gut für Video-Blogging. Beweisstück Nr. 1: French Maid TV, ein Videoblog, das "How-To"-Videos anbietet, praktischerweise in seiner ersten Episode gleich ein "How-To-Videoblog". Die Maiden präsentieren in klischeehaftem Französisch & satirischem Sexismus und sind offenbar eine Gruppe junger Medienprofis, die lieber in die neue Selbstständigkeit gehen als sich bei traditionellen Medienanstalten anstellen wollen. Über Craigslist, eine Art Internet-Kleinanzeiger, sucht French Maid TV in einer Reihe von US-Städten lokale Produktionscrews, die sich an dem Projekt beteiligen wollen -- vielleicht auch eine Chance für Mitarbeit aus dem guten alten Europa?

2006 wird, zumindest in den USA, Videoblogs auf breiter Front zeigen -- weil es 1. einfache Produktionsmöglichkeiten, 2. entsprechende Distributionskanäle gibt. Die Produktionsmöglichkeiten sind billig und einfach, siehe das entsprechende How-To-Videoblog bei den French Maids. Und nachdem Apples iTunes Music Store mit seinem Videoangebot im November 2005 online ging, scheint das Eis gebrochen zu sein -- von Apple über Google und Yahoo wollen jetzt alle Video anbieten, zum Konsum am PC/Mac, Video iPod oder Windows Media Player. Ein Abnehmer ist auch das vom früheren US-Vizepräsidenten Al Gore gegründete Current TV, das "User-Generated Content" über traditionelle TV-Netze anbietet. Nachahmungstäter Telekom Austria versucht sich in Oberösterreich mit seinem "Bunten Fernsehen".