Montag, März 27, 2006

Content Remixed

In den USA wurde ein neuer Onlinedienst gegründet, Mochila (spanisch für Rucksack; Mochilas wurden vom Pony Express verwendet) der eine riesige Syndizierungsplattform ist: Publikationen – Zeitungen, Magazine, Websites, Radio- und TV-Anstalten – können auf dieser Plattform ihre selbstproduzierten Inhalte zum Verkauf anbieten; potenziell dieselbe Zielgruppe kann sie kaufen.

Mochilla kassiert mehr als die Hälfte der jeweiligen Transaktion, und Käufer von Inhalten können auch gleich Werbung mit dazu kaufen, dann sinken die zu zahlenden Gebühren für den jeweiligen Inhalt.

Was heißt das für Journalismus? Traditionell sind Medien "vertikale" Einheiten, das heisst sie haben ihre Inhalte selbst gestaltet, produziert und an ihre Leserinnen und Leser (Zuseher, User etc.) gebracht. Vor allem Nachrichtenagenturen (die wie die APA oft aus dem genossenschaftlichen Gedanken entspringen, dass es billiger ist, manche Dinge gemeinsam zu machen, bei denen es keinen wesentlichen Unterschied gibt) haben dieses Gefüge seit längerem verändert, Zeitungssyndikate haben darüber hinaus "Originalbeiträge" verkauft.

Medien werden so immer mehr zu reinen Distributionskanälen: Die Inhalte werden von den Großen oder den Originellen (das können auch individuelle Autoren oder Websites sein) erzeugt, das Medium sorgt für den richtigen Remix für sein Zielpublikum, ergänzt von den Inhalten die nicht bereits vorgefertigt zu kaufen sind – und das werden immer weniger werden.

Freitag, März 24, 2006

Breitband führt zu Online-Medien

 50 Millionen Amerikaner – bereits ein Sechstel der Bevölkerung – beziehen ihre Nachrichten in erster Linie aus dem Netz, berichtet das Pew Internet & American Life Project, eine Institution die seit vielen Jahren langfristige Erhebungen zur Entwicklung und Gebrauch des Internets anstellt. Damit hat sich die Zahl der Online-News-Junkies verdoppelt – 2002 wurden 27 Millionen Menschen erhoben, die ihre Nachrichten in erster Linie online lesen.

Vor allem die Zunahme von Breitbandanschlüssen in Haushalten (seit 2002 von 20 auf 70 Mio.) trage zu dieser Verhaltensänderung bei, diagnostiziert die Pew-Studie.

Von den Breitbandnutzern bezeichnen 46 Prozent Internet ihre primäre Newsquelle, von29 Mio. "Power-Breitbandnutzern" (Menschen mit sehr starker Internetnutzung) sogar 71 Prozent. Bei den "Schmalbandnutzern" (also mit Telefonanschluss ans Netz) geben hingegen nur 26 Prozent das Web als Primärkanal für News an. 

Auch Online dominieren die "traditionellen" Nachrichtenorganisationen. "News checken" ist übrigens inzwischen die dritt-häufigste Online-Nutzung.

Donnerstag, März 16, 2006

Der Eintopf aus dem die Zeitungen sind

Immer mehr Anbieter, immer weniger Content: Das ist eine der provokanten Erkenntnisse aus dem "dritten Jahresbericht über die Lage des US-Journalismus" (in der Zusammenfassung der Herald Tribune/New York Times). Am 11. Mai 2005, dem zufällig gewählten Stichtag der Erhebung, konnte man in Google News zwar 14.000 Geschichten finden, aber diese bezogen sich auf nur 24 Ereignisse. Dabei gab es 2005 mehr Medien als je zuvor.

Interessant der Vergleich zur "Blogosphäre": Dort spielten  an diesem Tag die in traditionellen Medien dominierenden Themen kaum eine Rolle; und während sich die Blogs zwar nicht mit eigener Berichterstattung hervortun, so setzen sie mit ihren Einträgen und Kommentaren mit dem auseinander, was Blogger und ihre Leser für die langfristig wichtigen Themen halten.

Conclusio: "Wir sehen nicht das Ende des Journalismus. Aber wir sehen einen Erdrutsch wie Leute von der Welt um sich erfahren und sie wahrnehmen. Die Macht verschiebt sich von Journalisten als Gatekeepers dessen, was die Öffentlichkeit weiß. Die Bürger übernehmen eine aktivere Rolle als Sammler, Redakteure und sogar Urheber ihrer Nachrichten. Das Publikum bewegt sich von den alten Medien wieTV oder Zeitungen zu den neuen Online-Medien. Journalisten müssen ihre Rolle neu definieren und festlegen, für welche ihrer zentralen Werte sie kämpfen wollen um sie zu erhalten – etwas, was Journalisten erst beginnen zu erwägen."