Donnerstag, April 27, 2006

BBC setzt ganz auf Web

"Was wir erleben ist eine klar wahrnehmbare, zweite digitale Welle. Mit der ersten Welle sind traditionelle Medien meist ganz gut zurecht gekommen: Sie haben neue, lineare Kanäle und textbasierende Websites gegründet und mit Handys und anderen mobilen Geräten zu experimentieren begonnen. Und vor allem nachdem die Dotcom-Blase zur Jahrhundertwende geplatzt ist gab es bei den traditionellen Medien das Gefühl, dass sie diese digitale Kiste ganz gut gepackt hätten. Wenn man spät dran war, kein Problem: Dann langte man in die Kasse und kaufte sich ein oder zwei Websites. Aber jeder, der glaubt, dass das schon alles war, wird einen großen Schock erleben. Ich glaube, dass diese zweite Welle wesentlich disruptiver verläuft als die erste, dass sie eine grundlegene Erschütterung darstellt, die die Fundamente auf denen viele traditionelle Medien stehen, völlig wegschwemmen kann."

Also sprach Mark Thompson, Generaldirektor der BBC, die bereits derzeit -- nach der ersten digitalen Welle, in Thompsons Worten -- unangefochtener Marktführer bei Web-Medien in Großbritannien ist. Die BBC betrachte sich nicht mehr in erster Linie als Radio- und TV-Anstalt mit einer Webpräsenz, sondern wolle in den nächsten Jahren "einen 360-Grad-Blickwinkel entwickeln, statt sich auf einzelne Plattformen zu konzentrieren".

Zwei Entwicklungen nennt Thompson als Spitzen der "zweiten digitalen Welle": "On Demand", die Fähigkeit des Publikums, ihr Programm zur gewünschten Zeit völlig frei aus dem gesamten Angebot zusammenstellen zu können: "On Demand changes everything", da das Publikum aufgrund der Wahlmöglichkeit wählerischer sein wird. Und die zweite Entwicklung: "Web 2.0", die Vertiefung des weitgehend noch immer textbasierenden Internet durch "dynamischen, audiovisuellen content", Personalisierung und unter breiter Beteiligung des Publikums an der Medienproduktion selbst.

Mit einem Feldversuch von "MyBBCPlayer" hat die BBC in den vergangenen Monaten ihre Zehen in das Wasser der zweiten Welle gesteckt -- 5000 Gebührenzahler hatten die Möglichkeit, sich Inhalte individuell zusammenzustellen und über Breitband-Internet herunterzuladen. Thompson glaubt, dass die Technologie in fünf Jahren bereits soweit sein wird, dass man aus dem Programmmenü die Sendungen individuell so programmieren kann, dass man anschließend nur noch den "Play"-Button klicken muss und es nach eigenem Wunsch -- und nicht nach dem Wunsch der Sendungsmacher abläuft.

Und die intensive Publikumsbeteiligung auf den Websites habe bereits begonnen -- man habe noch nie soviele Zugriffe auf den Website gehabt wie nach dem Posting von Videoclips und Bildern nach den Bombenanschlägen in der Londoner U-Bahn im Frühjahr 2005. "Peer to peer" Kommunikation werde immer stärker gefragt: "Wir brauchen eine neue Beziehung zu unserem Publikum. Es wird nicht mehr nur unser Publikum sein, sondern Teilnehmer und Partner."

Montag, April 10, 2006

Headlines für Google schreiben

Früher, schreibt die New York Times (unentgeltliche Registrierung erforderlich), haben Redakteure ihre Headlines für zwei Arten von Lesern verfasst: Ihre Zeitungsleser und die Redakteure, die ihre Geschichten redigierten. Jetzt kommt noch ein drittes Publikum dazu, die Suchroboter von Google & Co. 

Suchmaschinen sind, in ihrem verbalen Verständnis, frei von jeder Art von Ironie oder Doppelsinn; um daher optimale Sucherergebnisse zu erzielen müssen Titel sehr geradlinig und ohne Hintergedanken formuliert sein. Das hilft Artikel rasch zu finden, für guten Stil ist es nicht unbedingt ein Gewinn.