Donnerstag, Mai 11, 2006

Artikel-Hitparade: Wer liest was?

Wer liest was in der Zeitung, war schon immer das beliebteste Rätselspiel unter Journalisten wie ihren Konsumenten, und das nicht nur weil wir die meistgelesene Geschichte zum Aufmacher machen wollen oder die Werbeindustrie danach bemisst wie sie den Kuchen verteilt. Seit Online-Ausgaben von Medien haben wir dazu präzisere Angaben als je zuvor (weil Hits, Besucher etc. für jede konkrete Geschichte gezählt werden), aber vor den Lesern wird diese Information noch immer versteckt.

Die New York Times hat mit ihrem Redesign vor einigen Wochen ein interessantes neues Element eingeführt: Es gibt eine Hitparade der am meisten gemailten Artikel (die konnte man schon seit einiger Zeit am Site finden, wenn man suchte), und dazu eine Hitparade der am meisten gebloggten Artikel. Das ganze findet sich an vorderster Stelle in jedem Ressort, jeweils auf das Ressort bezogen (auf Seite 1 für die Zeitung).



Interessant: An einem zufällig ausgewählten Tag gibt es erhebliche Unterschiede zwischen der Hitliste der Mailer und der Blogger. Wär ein interessantes Untersuchungsthema für Medienwissenschafter -- These: Nicht nur die "MSM" (Mainstream Media) weichen in ihrer thematischen Auswahl vom Publikum ab, bei den Bloggern ist es nicht viel anders -- wenn man annimmt, dass die Auswahl der gemailten Artikel der repräsentativste Ausschnitt der Interessen des Leserpublikums ist.