Montag, März 19, 2007

Das Leser-Netzwerk

Ein weiterer Versuch in Sachen "Leser machen sich ihre News selbst:" Jay Rosen, Journalismusprofessor an der New York University, baut an einem gemeinsamen Netz von Profis und Amateuren für die Berichterstattung. Er sieht das ganze so: Wenn Geschichten entstehen, denn zapfen professionelle Journalisten ihre Quellen ("sources") an. Die weltweite Leserschaft ("crowd") ist nichts anderes als eine riesige potenzielle Quelle für Journalisten, die sie über entsprechende wikipedia-artige Websites anzapfen können – das nennt Rosen dann "crowd sourcing". Hier schreiben alle, die was wissen, das zusammen, und der Profi bedient sich daraus so, wie er sich aus den Information seiner kleineren Quellenschar bedienen würde, um seine Geschichte zu recherchieren und zu berichten. Das Ganze, von Rosen zusammen mit dem Magazin Wired gegründet, nennt sich dann "Assignment Zero", und weil man ja mit irgendwas anfangen muss, ist "Crowdsourcing" das erste Assignment für die "früher als Publikum bekannten Leute". (Ausführlicher Bericht in der New York Times.)

[ Nachsatz: Interessanter Versuch bei umfangreichen Themen, bei denen die Wahrnehmungen einer breiten Gruppe von Menschen auch was beitragen können, und auch genug Zeit für diese Art von Recherche ist. Das Problem vieler journalistischer Themen besteht allerdings darin, dass Information geheim gehalten wird oder nur ungern preis gegeben wird – zur Aufdeckung der Vorgänge in der Bush-Administration, die zur Enthüllung der CIA-Agentin Valerie Plane geführt haben, ist "Crowd sourcing" ziemlich sicher unergiebig: Nur wenige Leute wussten davon, und die wollten sich sicher nicht outen. Zeit ist ein weiterer Faktor: Wie schnell reagiert "Leserschaft" auf solche Assignments? ]

Freitag, März 02, 2007

BBC sendet auf YouTube

Zwar nicht ganz so spektakulär oder ein "Megadeal" wie das den Kollegen von Spiegel online locker von den Tasten fließt, aber eine sehr interessante Entwicklung: Die British Broadcast Corporation, BBC, schließt ein Abkommen mit YouTube über die Bereitstellung von Programmen auf der populären Videosite. YouTube gehört seit einiger Zeit zum Google-Reich. (Dazu auch Bericht in der New York Times.)

Die BBC wird "Channels" bei YouTube bestellen: BBC News mit Nachrichten, BBC Worldwide mit populären BBC-Programmen und Dokumentationen, und auch aktuelle Serien der BBC.

Was es bedeutet: Erst mal für YouTube ein Fortschritt bei seinem Kampf mit Medienunternehmen. Denn hier hängt immer wieder das Damoklesschwert einer sehr teuren Urheberrechtsklage wegen der Verwendung geschützter Inhalte durch YouTube-Benutzer. Erst vor kurzem hat YouTube 100.000 Clips von seiner Site entfernt, nachdem Viacom entsprechend reklamierte.

Die BBC verfolgt damit ihre Entwicklung, dass Internet zu einem weiteren Vertriebskanal für ihre Programme wird – was ja die zentrale These von BBC-Chef Mark Thompson ist. Schon bisher hat die BBC einen eigenen Medienplayer für TV on Demand, YouTube stellt den Anschluss zu einem breiteren Publikum – und mögliche Werbeerträge – her. Was nicht ohne Kritiker in Großbritannien ist: Denn damit kann sich der öffentlich-rechtliche Sender außerhalb Großbritanniens ohne Auflagen durch das Gesetz mit seinem reichhaltigen Angebot tummeln.