Werbung Zurück zur aktuellen Ausgabe
Ausgabe Nr. 112 - Mittwoch  28.11.2001 - Seite 1
Politik/Lokales

Werbung
     
  SalzBurger Köpfe
Neulich im SalzBurger:
am 26.11.2001
Ein Fest mit Kultstatus

am 22.11.2001
New York, New York


Der aktuelle Blick über den Tellerrand - rund um den SalzBurger

Fischers Fritze fischt frische Musik und englische Literatur am liebsten im Amazonas der Entertainmentindustrie jenseits der Salzach. Eine nicht ganz neue aber wenigstens bequeme Alternative zum "weißen" Schnürlregen.

mehr dazu Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!


Alle frueheren Ausgaben - im SalzBurger-Archiv
Hier koennen Sie die Mannschaft des SalzBurgers kennenlernen!

Post an den SalzBurger abschicken

Muslime in Salzburg: Fasten im Schatten des 11. September


Die Attentate auf New York und Washington haben den alten Konflikt zwischen Kreuz und Halbmond wieder aufgefrischt. Hat sich die Situation für Muslime in Salzburg seither verändert?

 
Was heute noch serviert wird:

Islamismus & Co. - Begriffe und ihre bisweilen dubiose Verwendung (auf Seite 2)


"Wir haben keine Angst"

Muslime aus Algerien, Tunesien, Ägypten, Syrien oder Marokko treffen sich jeden Abend in der "Arabischen Gemeinschaft" in Salzburg. Jetzt, im Fastenmonat Ramadan, kommen bei Sonnenuntergang noch mehr Männer als sonst zusammen. Sie kochen und essen gemeinsam, reden, trinken Tee oder spielen Billard. Wahrscheinlich fallen in den lebhaften Diskussionen in arabischer Sprache auch Worte wie "Amerika", "Terroranschläge" oder "Krieg". "Aber Angst haben wir hier in Salzburg nicht", sagt Hamdi Al Hagh, der zum Obmann der "Arabischen Gemeinschaft" gewählt wurde. Es gebe keine Probleme. Österreich sei "Gott sei Dank ein sicheres Land".

"Die Terroranschläge waren dumm"

Von den Attentaten auf New York und Washington distanzieren sich die Muslime. "Wir sind gegen die Terroranschläge", betont Hamdi Al Hagh. Die islamische Religion akzeptiere nicht, dass Zivilisten getötet werden. "Die Terroranschläge waren dumm. Aber auch mit Krieg darauf zu antworten, ist falsch", sagt Jamal A. Und obwohl er die Attentate verurteilt, macht Kevin Z., Österreicher algerischer Herkunft, die USA für das Geschehene mitverantwortlich: "Weil sich Amerika auf der ganzen Welt einmischt."

Der Fastenmonat Ramadan

Der Ramadan ist für Muslime ein besonderer Monat. Der Beginn richtet sich nach dem Mondjahr und verschiebt sich daher jedes Jahr um etwa zehn Tage nach vorne. Das Fastengebot ist eine der fünf Säulen des Islam. Von Morgengrauen bis Sonnenuntergang dürfen die Gläubigen im Ramadan nicht essen, trinken und rauchen. Mit leuchtenden Augen erzählt Kevin Z. vom Fastenmonat in seiner Heimat Algerien: "Es gibt Kekse, Tee und Kaffee. In Restaurants und Cafés tummeln sich die Menschen. Überall spielt Musik." Der Ramadan ist also keinesfalls ein Monat der Schwere. Das Leben verlagert sich vielmehr auf den Abend und in die Nacht: "Manchmal feiern die Menschen bis vier Uhr am Morgen", sagt Kevin Z.

Angst, jemand könnte durchdrehen

Auch in Salzburg trifft man sich im Fastenmonat öfter. Aber es sei anders als in seiner Heimat Marokko, sagt Jamal A. Hier in Österreich fühle er sich "eher einsam". In dem Informatikstudenten, der seit acht Jahren in Salzburg lebt, haben die Anschläge auf New York und Washington Angst geweckt. Angst, jemand könnte "durchdrehen" und an ihm, dem Muslim, Rache üben. Jamal A. befürchtet, dass die Situation für Muslime in Europa schwieriger wird und, dass es zu einem antiislamischen Rassismus kommen wird. Dabei sei die "Politik der Ausgrenzung" keine Lösung, sagt er.
Während nach dem 11. September in Belgien, Dänemark, den Niederlanden oder Schweden verbale und körperliche Angriffe gegen Muslime zugenommen haben, scheint sich in Österreich oder Deutschland nichts verändert zu haben, berichtet die "Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit".

"Du siehst aus wie ein Schläfer"

Nach den Anschlägen geisterte der Begriff des "Schläfers" durch die Medien. Gemeint sind damit Terroristen, die ein "ganz normales" Leben führen, während sie auf ihren Einsatz warten.
"Du siehst aus wie ein Schläfer", riefen Jugendliche lachend, als ein Marokkaner an ihnen vorbeiradelte. Aber das sei nur ein Scherz gewesen, meint Hussein A.


(kd)
 

Links zum Thema:

Anti-Islamic reactions within the European Union Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Dossier Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
<< vorige Seite nächste Seite >>

 

Die Festung als Symbol der Sicherheit: Gilt dies auch für Muslime? (Bild: polzer.at)
Die Festung als Symbol der Sicherheit: Gilt dies auch für Muslime? (Bild: polzer.at)

 
     

Big Brother Awards Austria