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Ausgabe Nr. 122 - Mittwoch  12.12.2001 - Seite 5
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Drei Salzburger Europoliten sagen ihre Meinung


Drei Repräsentanten der Salzburger Wirtschaft sagen ihre Meinungen zum Thema EU – Meinungen, die konträrer nicht sein könnten:

 
Was heute noch serviert wird:

Gegen die Schranken in den Köpfen: Der Salzburger als Europolit? (auf Seite 1)

DAS EURO QUIZ (auf Seite 2)

LÖSUNG-EURO-QUIZ (auf Seite 3)

Kein Teamgeist in der EU - Michel gegen Prodi (auf Seite 4)


Walter Scherrer, Professor am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Paris-Lodron-Universität Salzburg: "Durch die Wirtschafts- und Währungsunion wird der europäischen Wirtschaft ein
neuer Stimulus gegeben. Die doppelte Umrechnung der Währungen - die fällt weg, Grenzbarrieren und Wechselkursrisiken fallen weg. Investitionen im EU-Ausland werden erheblich erleichtert, der Außenhandel wird besser planbar, wichtige Handelspartner und Mitbewerber - wie etwa bis vor einigen Jahren Italien - können ihre Währung nicht mehr nach Belieben abwerten und so indirekt die Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft von Ländern mit stabilem Preisniveau beeinträchtigen. Insgesamt ist ein mittelfristig wirksamer neuer Impuls für die europäische Wirtschaft zu erwarten."

Veronika Spatzenegger, Marketingleiterin der Firma Eurogast Österreich GmbH, beurteilt die EU grundsätzlich positiv: „Ich reise gern. Der Wegfall der Grenzkontrollen ist sehr wichtig; somit ist innerhalb der EU ein uneingeschränktes Reisen möglich. Mit der Einführung des Euros entfällt das lästige Geldwechseln im Ausland, die Angebote werden transparenter und vergleichbarer.“
Einen weiteren Vorteil sieht die dynamische Rothaarige in der Freiheit des Personenverkehrs - jeder EU-Bürger hat die Möglichkeit, in einem anderen EU-Land zu arbeiten und zu wohnen. Ein Zusammenwachsen der EU-Mitgliedsstaaten mit einem besseres Verständnis und mehr Offenheit für die anderen Nationen und deren Kultur betrachtet die Marketingleiterin als Zukunftsmusik: „In schlechten Zeiten ist sich jeder EU-Staat am nächsten. Der Zusammenhalt und die Solidarität fehlen. Wirtschaftsinteressen stehen noch zu sehr im Vordergrund. Auf Belange der Kultur und Umwelt etwa wird noch zu wenig eingegangen.“
Nachdenklich fügt Spatzenegger hinzu: „In manchen Situationen wie den 11. September-Terrorakten in New York und dem Jugoslawienkonflikt, hätte ich mir erwartet, dass die EU mehr Rückgrat zeigt und sich eindeutiger
positioniert.“ Schliesslich lenkt die Jungmanagerin ein: „Grundsätzlich stehe ich der EU positiv gegenüber, es müssen sich allerdings noch einige Dinge ändern. Meine Vision von der EU ist, dass sie eine Gemeinschaft wird, die in allen Belangen zusammenhält und sich zu gemeinsam definierten Werten mit allen Wenn und Abers bekennt. Insbesondere die Bereiche Kultur und Politik, Aussenpolitik, sowie Umwelt sind noch auszubauen und entsprechend nach aussen, aber auch nach innen zu vertreten.“

Auch Andreas Hofer, Filialleiter der Raiffeisenkasse Bergheim, Filiale Kasern, freut sich über die bevorstehenden Zuckerln für zukünftige EU-Bürger. In seiner Funktion als Bankleiter aber sieht er die EU derzeit nicht durch die rosarote Brille. Grundsätzlich ist Andreas Hofer vom Euro sehr enttäuscht. „Die grossen Versprechungen, dass wir uns von der amerikanischen Wirtschaft abkoppeln werden, haben sich nicht erfüllt. Seit es den Euro gibt, hat dieser gegenüber dem Dollar etwa 30 Prozent an Wert verloren.“

Auch für die Banken sieht Hofer die Umstellung zum Euro nicht nur als positiv an: „Diese Umstellung kostet die österreichischen Banken Milliarden Schillinge. Da wären die Geldbeschaffungskosten – der Transport des Geldes von der Nationalbank in alle Banken Österreichs, dann die Versicherungskosten – das ganze Geld, das transportiert wird, muss ja auch versichert werden.“
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Arbeitsaufwand: „Die nächsten Wochen nach Neujahr werden für uns ein Horror. Die Schillinge können bei uns nur bis Ende Februar eingetauscht werden, das heisst, dass wir täglich Schillinge an die Nationalbank retournieren müssen. Dieser Mehraufwand an Arbeit ist natürlich wiederum von der Bank zu bewältigen.“
Den Wegfall des Verdienstes der Banken am Währungsumtausch beurteilt Hofer als enorm. Abschliessend meint er skeptisch: „Es ist sehr fraglich, ob die innereuropäische Belebung der Wirtschaft diesen Verlust für die Banken kompensieren kann.“


(wale)
 

Links zum Thema:

Universität Salzburg - die Europolitenschmiede Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Österreichische Banken stehen in den Euro-Startlöchern Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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Salzburg als Puzzleteil der EU
Salzburg als Puzzleteil der EU

Der Salzburger Wirtschaftswissenschafter Walter Scherrer
Der Salzburger Wirtschaftswissenschafter Walter Scherrer

Veronika Spatzenegger, Marketingleiterin der Firma Eurogast Österreich - eine Europolitin
Veronika Spatzenegger, Marketingleiterin der Firma Eurogast Österreich - eine Europolitin

 
     

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