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Ausgabe Nr. 26 - Montag  19.4.1999 - Seite 3
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Die Auster im Schrebergarten


Unentschieden endete der erste Impro-Wettkampf auf Salzburger Theater-Boden. Die Lokalmatadoren "Theater Yby" hielten den Angriffen der Münchner Impro-Meister "Fast Food-Theater" muehelos stand.

 
Was heute noch serviert wird:

"Fast Food" im Hexenhaeuschen: Impro-Show in der ARGE Nonntal (auf Seite 1)

Spontan und unvorhersehbar: Die Entwicklung des Improtheaters (auf Seite 2)


Rote und weisse Karten gab es noch reichlich zu Beginn des ersten Salzburger "Theatersport" am Freitag abend in der ARGE Nonntal. Die galten aber nicht als Eintrittskarten, sondern dienten der Bewertung der beiden Teams, die um die Gunst des Salzburger Publikums wett-improvisierten. Obwohl der Theatersport hierzulande ein unbekanntes Genre ist, war der Saal ausverkauft und die froehlichen, erwartungsvollen Gesichter im Publikum liessen tatsaechlich an ein Spiel – und weniger an die Auffuehrung eines Shakespeare-Dramas - denken. Dafuer braucht es einen Schiedsrichter, und der erklaerte dem Publikum auch gleich die Regeln. "Fast Food" und "Yby" wuerden verschiedene Szenen spielen, die das Publikum durch Hochzeigen der jeweiligen Karte mit Punkten belohnen koennte. Die "Roten" (Fast Food) und die "Weissen" (Yby) sangen mit dem Publikum zur Einstimmung die Hymne "Schoen ist es auf der Welt zu sein" und harrten dann auf der leeren Buehne ihrer Aufgaben, die durch Vorgaben aus dem Publikum zustande kamen.

Yby gewinnt das Publikum mit der ersten Aufgabe, eine klassische, eine aggressive und eine zaertliche Golfplatzszene fuer sich. Und damit werden auch die Staerken des Impro-Theaters deutlich. Natuerlich lassen sich hier keine Rollen vertiefen, kann das Auge sich nicht an einem aufwendigen Buehnenbild ergoetzen. Wie aber in Sekundenschnelle ein schwules Paerchen am Golfplatz den Lenz feiert und dazu der Musiker spontan die Voegerl zwitschern laesst, wie also eine unvorhersehbare Geschichte direkt vor den Augen der Zuschauer erst entsteht, das macht den Reiz dieses Genres aus. Eine makabre mittelalterliche Massenszene folgt, bei der beide Teams mitspielen. Sie geht wieder an die Salzburger. Hingebungsvoll opfern sie Artus zuerst ihr Herz, um sich gleich darauf mit Arm, Bein und Kopf als Demutsgabe an den Tafelherrn zu ueberbieten. Bei einer Liebesgeschichte im Stau koennen die Muenchner punkten und erhalten sogar noch einen Extrapunkt, weil sie in der Liebesgeschichte der Kontrahenten, die am Heuboden spielt, die wiederkaeuenden, glotzenden Kuehe geben. Man kann zu diesem Zeitpunkt auch ein paar heisere Haehne und fiepsende Ferkel aus dem Publikum vernehmen. Das wohlige Grunzen und Glucksen ist eindeutig Ausdruck der Freude, die die Salzburger beim "Theater auf Wunsch" haben. Vor der Pause noch ein weiteres Glanzstueck: die beiden Teams spielen Schrebergartennachbarn, in Ybys Garten gedeiht alles praechtig, bei Fast Food kuemmert die Schauspieler-Pflanze vor sich hin. Als die Pflanzenpolizei kommt, und nach der Genehmigung fuer die Muenchner Bonsaiausserhauspflanzung fragt, werden die Schauspieler kurz ratlos. Die Wendung gelingt, der Beamte wird erfolgreich bestochen und die Szene mit einem Stegreif-Lied abgeschlossen.

Nach der Pause erobern die Deutschen Meister im Impro-Theater das Terrain zurueck. Bei einem Genre-Switch (auf Befehl des Schiedrichters wechseln die Spieler in der Szene das Genre, hin und her) zwischen Horror und Heimatfilm, Arbeitsplatz nach Wunsch des Publikums "Strassenbau", zeigen die Muenchner ihr Koennen. Das geifernde Monster wird zum Berggeist und die fluoreszierenden Strassenmarkierungs-Farben zu Kuhglocken. Und das wie auf Knopfdruck, mehrere Male hin und her. Die beiden letzten Szenen bringen Punktegleichstand, die deutschen Gaeste kommen ebenso gut an wie Yby mit Heimvorteil.

Die Zugabe ist zugleich der Hoehepunkt: eine Stummszene, bei der beide Teams spielen. Eine Auster muss vorkommen. Nach drei Stunden anstrengender Arbeit entsteht auf der Buehne noch einmal ein kleines Meisterwerk: ein Salzburger Taucher findet eine Muenchner Auster, klaut ihr die Perle, ein bayrischer Raubfisch schwimmt mit grimmigen Ausdruck auf den Kiemen zu Hilfe, aber erst ein Salzburger Weissfisch kann die Auster aufmuntern, er verliebt sich in sie, die Unterwasserwelt feiert in allen Farben mit, als sich die zwei in die Arme fallen. So schoen koennen die Bilder sein, die die hervorragenden Schauspieler aus den Vorgaben der Zuschauer formen. Im Herbst gibt's mehr davon.
 

Links zum Thema:

Umfangreiche englische Seite ueber Improvisationsthaeater Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Freestyle Theater in New York Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Deutsche ImproTheater-Kontaktstelle mit Kontaktadressen zu ImproShows und -workshops und einen "Improliga"-Rundbrief, Improtheater-Spielideen und Know-how-Pool Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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