Werbung Zurück zur aktuellen Ausgabe
Ausgabe Nr. 23 - Mittwoch  14.4.1999 - Seite 1
Kunststoff

Werbung
     
  SalzBurger Köpfe
Neulich im SalzBurger:
am 12.4.1999
Zeitlose Zutaten


Alle frueheren Ausgaben - im SalzBurger-Archiv
Hier koennen Sie die Mannschaft des SalzBurgers kennenlernen!

Post an den SalzBurger abschicken

Neu in der Mozartstadt


Dienstag abend, die Zeiger der Uhr stehen auf kurz nach acht, eben kommt eine kleine Gruppe von Studentinnen in den Raum. "Hallo Gabriella - schön, daß Du gekommen bist!" begrüßt eine der Neuankömmlinge eine junge Frau, die interessiert in einer der herumliegenden Illustrierten blättert.

 
Was heute noch serviert wird:

Interkulturelles Engagement (auf Seite 2)


Während sie das sagt, streicht sie ihre langen dunklen Haare hinter die Ohren, hängt ihre Jacke über die Stuhllehne und läßt sich sichtlich glücklich auf den nächsten Stuhl fallen. Krisztina ist neu in Salzburg - und froh, hier in den Räumen der KHG Leute gefunden zu haben, denen es genauso geht. "Am Anfang war das alles ziemlich schwierig. Du kennst niemanden, alles ist neu und so anders wie in Ungarn - und dann noch die Sprache..." Krisztina lacht, als sie sich an die ersten Tage in der Mozartstadt zurückerinnert. Mittlerweile ist sie begeistert: "Die Stadt ist einfach schön - und die Leute sind nett. Hier beim internationalen Stammtisch habe ich auch Freundinnen gefunden. Es macht einfach Spaß, Leute zu treffen und zu feiern." Gabriella pflichtet ihr bei: "Solange Du alleine bist, ist alles fremd und ich hatte auch ein bißchen Heimweh, aber hier wird es nicht langweilig." Trotzdem gibt es auch noch nach einigen Wochen, Dinge, die fremd sind und an die man sich erst mal gewöhnen muß.


Für Krisztina ist zum Beispiel die Bürokratie störend. "Alles ist hier so kompliziert, Du brauchst immer Formulare und solche Marken und ich weiß nie, was ich wo erledigen muß." Nathalie aus den Niederlanden fällt dazu noch ein konkretes Beispiel ein: "Naja, denk doch mal an die Computer - bei uns zuhause ist das ganz einfach, hier mußt Du erst mal ein Konto machen lassen und dann mußt Du noch in ein Büro und einen Schein holen und bekommst dann ein Formular. Und erst wenn Du bezahlt hast, kannst Du dann die Karte bekommen... Oder die Kopierkarten. Ich weiß nie, wo ich welche brauche, weil das alles so kompliziert ist. Bei uns sind die Leute viel flexibler." Trotzdem gefällt es ihr hier: "Die Stadt ist schön, nicht zu groß und nicht zu klein. Irgendwie ist das noch mehr wie Urlaub, ich schaue mir die Stadt wie eine Touristin an, sehe die Berge und freue mich, wenn die Sonne scheint..." "Stimmt, das ist schön, nicht so, wie wenn dieser Schnürl - heißt das wirklich Schnürlregen? ist ja auch egal, also nicht so, wie wenn es regnet." fällt Ihr Jenni ins Wort. Jenni kommt aus Finnland und studiert am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Für sie bieten sich hier ganz neue Möglichkeiten: "Zuhause kann ich nicht Öffentlichkeitsarbeit machen, weil das meine Uni nicht anbietet. Wenn ich das hier belege, habe ich später einen Vorteil, weil ich dann so etwas wie eine Spezialistin sein kann."


Für viele ist auch die Sprache ein Problem: "Die Deutschkurse sind ziemlich groß und die meisten Dozenten nehmen keine Rücksicht auf die Probleme mit der Sprache. Vor allem, wenn dann ein Kursleiter noch so mit österreichischem Dialekt redet, wird es für mich echt schwer, etwas zu verstehen." erklärt Michaela. Die junge Amerikanerin bemerkt auch viele kulturelle Unterschiede. "Und ich habe auch oft das Gefühl, daß die Leute hier eher distanziert sind - in den Staaten ist es total einfach, Leute kennenzulernen. Aber natürlich kannst Du das auch nicht verallgemeinern, ich habe auch hier schon positive Erfahrungen gemacht. Stefan aus Deutschland findet genau diesen Sprachaspekt seltsam: "Dadurch, daß ich deutsch spreche, denken alle, daß ich keine Probleme habe, dabei ist auch für mich alles neu hier. Und ich weiß nie, wozu ich eigentlich gehöre - für die Einheimischen bin ich fremd und zu den ausländischen Studenten gehöre ich auch nicht so richtig." Kritik kommt wenn dann vor allem von den europäischen Studenten. Obwohl schon so vieles in Europa angeglichen wird, sind doch noch einige Unterschiede da, die zu einem erstaunten Achselzucken oder versteckten Schmunzeln anregen. Studenten, die früher gehen oder zu spät kommen sind zum Beispiel für Nathalie ziemlich neu gewesen: "Das ist für mich total unhöflich". Jenni lacht bei der Erinnerung an ihre erste Vorlesung. "Da haben die Leute danach auf den Tisch geklopft, und ich wußte nicht, was los ist - das war schon ziemlich komisch..." Für Julia aus Bulgarien ist dagegen alles traumhaft "Das ist für mich wie im Märchen, alles ist so perfekt, es gibt wirklich gar nichts, was mich stoert."


Auf die Frage nach der Stadt äußern sich die meisten noch zögernd - nach so kurzer Zeit traut sich noch niemand, mehr als ein "Der erste Eindruck war jedenfalls schön" zu sagen. Kneipen lernt man eben erst mit der Zeit kennen. Trotzdem ist der Eindruck, daß die Stadt mehr von Touristen als von studentischen Interessen geprägt ist, ziemlich vorherrschend. Natürlich ist die Gruppe, die sich jede Woche beim internationalen Stammtisch trifft nicht repräsentativ für alle rund 1900 ausländische Studenten, die in diesem Jahr an der Uni Salzburg studieren. Jeder erlebt die Stadt, die Uni und die Menschen ganz subjektiv. Aber allen gemein ist doch das Gefühl, daß alles einfacher wird, wenn man nicht mehr ganz alleine ist und die ersten Hürden gemeistert hat. Und was viele als Erfahrungen mit nach Hause nehmen, bringt Marc aus Luxemburg auf den Punkt: "Die Erfahrungen, die Du im Ausland machst, können schlecht sein oder sie können auch wirklich gut sein - aber nehmen kann sie Dir niemand. Von so einem Jahr oder einem Semester profitierst Du am Ende immer."


Daniela Rieker
 

Links zum Thema:

Afro-Asiatisches Institut Salzburg Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

el§a international Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

el§a Salzburg Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

AEGEE international Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
<< vorige Seite nächste Seite >>

 

Der 1.Eindruck - Blick auf die Festung
Der 1.Eindruck - Blick auf die Festung

...Nachmittagsstimmung in der Innenstadt
...Nachmittagsstimmung in der Innenstadt

...nicht nur die Studenten sind Touristen
...nicht nur die Studenten sind Touristen

 
     

Big Brother Awards Austria