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Ausgabe Nr. 97 - Donnerstag  31.5.2001 - Seite 1
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"Einen typischen Fall haben wir nicht."


Seit etwas mehr als zwei Jahren existiert die Jugendnotschlafstelle Exit 7 der Caritas in Maxglan. Während diese zur Zeit ihrer Eröffnung für Schlagzeilen in Salzburger Medien sorgte, ist es mittlerweile um sie still geworden. Ein Grund mehr, Birgit Stockhammer, die Leiterin von Exit 7, eine Bilanz über die ersten beiden Jahre ziehen zu lassen.

 
Was heute noch serviert wird:

"Das Geld wird knapper. Da bleiben die Kids auf der Strasse stehen." (auf Seite 2)


Zu Beginn wurde die Diskussion um die Jugendnotschlafstelle vor allem von Seiten der Nachbarn sehr emotional geführt. Wie sieht das nach zwei Jahren aus?
Der Konflikt mit den Nachbarn hat sich gelegt. Wir haben in den ganzen zwei Jahren dezidiert keine Beschwerde von Nachbarn gehabt und wissen auch von nichts. Wir haben doch immer wieder Kontakt zur Polizei und die würden uns das sagen, einfach auch weil uns das wichtig ist, ein gutes Verhältnis zu haben. Es hat sich auch Toleranz eingestellt und sich nichts von all dem bestätigt, genau das was wir auch gehofft und vorhergesagt haben. Wir sind auch auf ein gutes Klima in der Gegend bedacht.

Welche Befürchtungen wurden im Vorfeld von den Nachbarn geäußert?
Alle Vorurteile, die man haben kann. Spritzen vor der Schule und eingetretene Fensterscheiben, also Randale rund ums Haus und ständige Lärmbelästigung. ‚Man kann das den Schulkindern nicht antun‘, weil in unmittelbarer Nachbarschaft gleich die Volksschule ist. Also wirklich schlimmste Vorurteile, die man Jugendlichen gegenüber haben kann.

Wie wird die Jugendnotschlafstelle mittlerweile von Jugendlichen angenommen?
Sehr gut, wir haben über 140 verschiedene Jugendliche schon im Haus gehabt. Und gerade im heurigen Jahr haben wir schon 40 Jugendliche gehabt und sind mit den Übernachtungszahlen schon fast da, wo wir im ersten Jahr waren. Es ist eine Steigerung sicherlich um 20, 30 Prozent gegenüber den Vorjahren. Und was man sagen kann ist, dass die Jugendlichen immer jünger werden. Im ersten Jahr lag der Schnitt so bei 17, im zweiten etwa bei 16 Jahren und jetzt dürfte der Durchschnitt so bei 15 oder sogar darunter liegen. Und was auffällig ist, im Gegensatz zu anderen Jugendnotschlafstellen in Österreich, ist, dass wir viele Mädchen haben. In den ersten Monaten hatten wir fast 50 Prozent Mädchen und die sind hauptsächlich sehr jung: 13, 14, 15 Jahre.

Welche Jugendlichen kommen in die Notschlafstelle?
Das Hauptpublikum hat sich sehr verändert im Laufe der Zeit. Am Anfang war es sehr stark die Gruppe der Punks, aber da ist der Großteil entweder gar nicht mehr in Salzburg, sie sind keine Punks mehr oder sind zu alt geworden. Es entwickelt sich jetzt wirklich in die Richtung, dass äußerlich sehr normal wirkende Jugendliche kommen. Wir haben Leute da, die in die Schule gehen, andere gehen arbeiten. Natürlich haben wir auch Leute da, die nichts tun, das können wir nicht verhindern.
Was wir auch immer wieder haben sind minderjährige, unbegleitete Asylwerber. Das ist ein großes, langwieriges Thema in Salzburg, wo jetzt endlich ein Lichtblick in die Sache kommt, rein rechtlich und finanztechnisch.

Weshalb kommen die Jugendlichen hierher?
Allgemeine Erziehungsschwierigkeiten der Eltern, sage ich immer dazu. Mit verschiedensten Geschichten, sehr viel Gewalterfahrung, Missbrauchserfahrung, teilweise Drogenproblematiken, obwohl das nicht unbedingt im Vordergrund steht. Teilweise auch aus Jugendwohlfahrtsstellen, weil einfach die Konflikte, das ‚Schädigungspotential‘ so groß sind, dass sie einfach nicht mehr haltbar sind in manchen Einrichtungen. Sie kommen dann zu uns und bleiben dann drei, vier Monate, bis ein neuer Platz gefunden ist. Plätze vermitteln wir in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.

Woher kommen diese Jugendlichen?
Großteils aus der Stadt Salzburg. Wir haben ganz wenige die woanders herkommen.

Wie lange können die Jugendlichen in der Notschlafstelle bleiben?
Maximal 14 Tage im Monat. Das gilt für Jugendliche, die im Prinzip nichts anderes wollen, als diese Notversorgung, die wir anbieten. Das heißt ein Bett, ein warmes Essen, eine Waschgelegenheit, Reservegewand, am Morgen ein Frühstück. All denen, die Willen zur Veränderung zeigen, wird die Möglichkeit gegeben, länger zu bleiben.


(quass & bollig)
 

Links zum Thema:

Jugendnotschlafstelle Exit 7 Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Standardartikel zu Anrainerprotesten (1998) Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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Die Jugendnotschlafstelle Exit 7 ist oft der letzte Ausweg in Krisensituationen.
Die Jugendnotschlafstelle Exit 7 ist oft der letzte Ausweg in Krisensituationen.

Gerade zu Beginn war Birgit Stockhammer, die Leiterin von Exit 7, ...
Gerade zu Beginn war Birgit Stockhammer, die Leiterin von Exit 7, ...

...mit Problemen vor allem von Seiten der Anrainer der Siezenheimerstraße 7 konfrontiert.
...mit Problemen vor allem von Seiten der Anrainer der Siezenheimerstraße 7 konfrontiert.

 
     

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