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Ausgabe Nr. 38 - Donnerstag  6.5.1999 - Seite 3
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Entwicklungen am Museumssektor


In die Museumswelt ist international Bewegung gekommen - die Guggenheim- Stiftung macht es den anderen Museumsbetreibern vor, wie Besucherstroeme in die Museen dirigiert werden koennen: mit einem Rundum-Angebot von Cafeteria, Shop und zugkraeftigen Publikumsveranstaltungen. Konzerte und Vortraege bringen genauso neue Zielgruppen ins Museum wie Road-Shows von Boerse-Emittenten.

 
Was heute noch serviert wird:

Museum am Moenchsberg (auf Seite 1)

„Oesterreich, was ist das?“ (auf Seite 2)

Kulturpolitik und Sammlung Batliner (auf Seite 4)

Bilbao´s Schritt ins naechste Jahrtausend (auf Seite 5)


Thomas Krens, der Direktor der Guggenheim Foundation bringt seine Philosophie auf den Punkt wenn er sagt:“ Mit den 10 Prozent Kunstinteressierten in der Bevoelkerung lassen sich keine hochqualitativen Ausstellungen finanzieren. Unser Ziel muss es sein, die anderen 90 Prozent fuer das Geschehen im Museum zu begeistern.“

Die Kommerzialisierung der Museen schreitet auch in den europaeischen Laendern immer weiter fort. Viele kulturelle Budgets der oeffentlichen Hand sind in den letzten Jahren gekuerzt worden. Das hatte zur Folge, dass neue Finanzierungsquellen erschlossen werden mussten. Peter Weiermeier, der Leiter des Salzburger Rupertinums, setzt auf Benefizkonzerte - zugkraeftige Interpreten musizieren in der Halle des Museums, die musikalischen Darbietungen werden mit den Inhalten der jeweiligen Ausstellung in Beziehung gesetzt. Der Reinerloes des Konzerts wird fuer den Ankauf von Werken zeitgenoessischer oesterreichischer Kuenstler verwendet.

Wechselausstellungen, die aus Leihgaben anderer Museen und ausgewaehlten Werken von Privatsammlungen bestehen, kommen dem Beduerfnis der Besucher nach Abwechslung entgegen. Es werden Fuehrungen und Einfuehrungen, Vortraege und Seminare fuer die verschiedensten Zielgruppen veranstaltet. Volksschueler muessen mit anderen Mitteln angesprochen werden als Mittelschueler, Senioren anders als Kongressteilnehmer oder Touristen. Das Museum wartet nicht mehr darauf, dass Besucher zu ihm hinfinden, sondern geht aktiv auf sie zu.

Konkurrenz erhalten die oeffentlichen Museen und Kunststaetten durch das Engagement von Branchenfremden in den Kulturbetrieb. Hier ist das „Bank Austria Kunstforum“ als besonders erfolgreich zu nennen. Das Haus wird derzeit umgebaut, die Raeume, die Gustav Peichl vor 15 Jahren gestaltet hatte, waren auf 300 Besucher pro Tag ausgelegt, an Spitzentagen stroemen jedoch bis zu 3000 Interessierte in das Kunstforum.

Die Verquickung von Kunst und Wirtschaft wirkt auch wieder auf die angestammte Kunstszene zurueck:
Der Direktor des Kunstforums, Klaus Albrecht Schroeder, hat als Berater von LH Schausberger ein umstrittenes Konzept fuer die Neuordnung der Salzburger Kunstmuseen erstellt. Das Museum am Moenchsberg soll eine Kunsthalle und als Museum der Moderne die Bestaende des Rupertinums beherbergen.

Am vergangenen Sonntag lud der Direktor des Rupertinums, Peter Weiermeier, zu einer Diskussion ueber Perspektiven einer zukuenftigen Museumspolitik fuer Salzburg.
Im Dialog mit Werner Thuswaldner, dem Kulturressortleiter der SN, ging der Direktor des Rupertinums auf das Sammeln von Kunstwerken in Museen, auf die Salzburger Situation und insbesondere auf die Zukunft des Rupertinums ein.
Weiermeier bekannte sich zu einer unideologischen Sammelweise: Er ist bestrebt, exemplarische Werke der oesterreichischen Kunst des 20. Jahrhunderts fuer eine Schausammlung zu erwerben. Sein Vorgaenger, Direktor Breicher, hat quantitativ Sammlungen von unbekannten, vergessenen und verkannten Kuenstlern aufgekauft, so entstanden viele Luecken und weisse Zonen im Bestand des Museums.

Die Bedeutung der Museen sieht Weiermeier in ihrer Verpflichtung gegenueber der Gesellschaft, eine moegliche Aktualisierung der Vergangenheit und einen relevanten Bezug zur Gegenwart herzustellen. Er sieht in der Kunst ein Erkenntnismedium, dem eine aufklaererische Funktion eigen ist. „Nur im Museum“, so Weiermeier, „ist die Auseinandersetzung mit Originalen noch moeglich“.

Das geplante Museum am Moenchsberg sei von seiner Funktionalitaet her bestechend, allerdings saehe er in der Zugaenglichkeit ein Problem. Weiermeier haelt nichts von spektakulaeren postmodernen Museumsbauten, er ist der Ansicht, die Architektur solle zuruecktreten, ein Museumsbau solle die Architektur vergessen machen und die Aufmerksamkeit auf den Inhalt eines Museums konzentrieren. Seinen Informationen zufolge bestehen jedoch Plaene, das Museum am Moenchsberg bis auf das oberste Geschoss in den Berg hinein zu versenken und so weniger Anstoss zu erregen.

Die Schausammlung Rupertinum soll im neuen Museum auf 700 Quadratmetern Platz finden, fuer die 50 Werke der Sammlung Batliner stehen 900 Quadratmeter zur Verfuegung. Die Beteiligung des Bundes mit 130 Millionen Schilling an der Finanzierung ist fuer diese Sammlung
bestimmt. Die lange Vertragsdauer sieht Weiermeier als problematisch an. Fuer die laufenden Betriebskosten, Ankaeufe und Ausgaben fuer Leihgaben ist kein Konzept bekannt. Eine offene Frage ist auch die Dotierung des Rupertinums, wenn das neue Museum eroeffnet sein wird.

Zukuenftig soll das Rupertinum in der Altstadt eine Sammlung der Photographie, Druckgrafiken und Zeichnungen beherbergen. Weiermeier betreibt die Gruendung einer oesterreichischen Stiftung fuer Photographie, um Geld fuer die notwendigen Aufwendungen (Restaurierung, Gestaltung, Praesentation) bereit zu haben.

(Helga Pentek)
 

Links zum Thema:

Rupertinum Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Guggenheim-Projekt in Berlin Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Bank Austria Kunstforum Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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Einladung für das Benefizkonzert, das morgen Freitag, den 07.05.99, im Rupertinum stattfindet
Einladung für das Benefizkonzert, das morgen Freitag, den 07.05.99, im Rupertinum stattfindet

Stilleben von Giorgio Morandi, 1956 – zu sehen derzeit im Rupertinum
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