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Ausgabe Nr. 4 - Donnerstag  19.11.1998 - Seite 1
Stadt-Menschen

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Salzburg einmal anders


Der Saftladen, ein ungewöhnliches Café - eine Art zweites Zuhause für Heimatlose. Der Hauptwohnsitz ist auf der Strasse.

 
Was heute noch serviert wird:

Fragen an .... Adi. (auf Seite 2)

Was tut die Stadt Salzburg? (auf Seite 3)

Das Leben am Kapuzinerberg (auf Seite 4)


Das in einer fast perfekten Stadt wie Salzburg. Aber eben nur fast perfekt. Auch hier in der Mozartstadt gibt es Probleme. Zum Beispiel, kein Dach über dem Kopf zu haben. Adi hat diese Erfahrung schon gemacht.

”Ich bin froh, dass ich auf der Welt bin - ich lebe gerne.“ Das sagt jemand, von dem man es eigentlich am wenigsten erwarten würde. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der 32jährige im Heim. Liebe und Zuneigung haben er und seine 20 sogenannten Geschwister von den Pflegeeltern nie bekommen. Statt dessen gab es Schläge und böse Worte.

Mit 18 hatte er genug von all dem und verliess das Heim. Seinen Beruf als Maurer hat er seitdem nicht mehr ausgeübt. ”Eigentlich wollte ich Rauchfangkehrer oder Bäcker werden, aber bei uns entschieden die Eltern, was wir werden sollten,“ meint Adi.

Bald darauf lernte er eine Frau kennen. Mit ihre hatte er eine feste Beziehung, aus der seine mittlerweile 12jährige Tochter stammt. Nachdem diese Beziehung auseinander ging, stand er zum ersten Mal auf der Strasse. Er fand da und dort Unterschlupf, für eineinhalb Jahre nannte Adi einen Turm am Kapuzinerberg sein Zuhause.

Seitdem hielt er sich mit diversen Arbeiten (Schulwart, Kulturgelände Nonntal) über Wasser, doch es ist ihm nie wirklich gelungen, ein geregeltes Leben zu führen. Zur Zeit hat Adi wieder einen festen Wohnsitz, glücklich ist er trotzdem nicht: ”Meine Vermieter machen den reinsten Psychoterror. Sie können mich einfach nicht so akzeptieren wie ich bin. Da fühlte ich mich am Kapuzinerberg wesentlich wohler. Die Natur und die Tiere dort gaben mir mehr Halt. Tiere sind mir sowieso lieber als Menschen, die sind wenigstens ehrlich. Das Wichtigste in meinem Leben ist mein Hund Lady.“

Die Schuld an seinem Leben als Obdachloser gibt Adi niemandem. Seiner Meinung nach ist jeder für sich selbst verantwortlich. Man muss eben das Beste daraus machen. Trotz seines nicht immer positiv verlaufenen Lebens hat Adi nie seinen Glauben verloren.

Den Wunsch nach einem geregelten Leben mit Frau und Kindern verfolgt er nach wie vor. ”Ich möchte einfach meine Ruhe haben.“
 

   
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Heimatlos in Salzburg
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Die Strassen sind sein Reich
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