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Ausgabe Nr. 38 - Donnerstag  6.5.1999 - Seite 1
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Museum am Moenchsberg


Im Jahre 2002 soll das Museum fuer Moderne Kunst am Moenchsberg eroeffnet werden. Das Projekt erntete heftige Kritik in der Fachwelt: Die Chance fuer ein architektonisches Meisterwerk sei vertan worden, die Mittelmaessigkeit haette gesiegt. Der Entwurf von Hans Hollein fuer ein Museum im Moenchsberg und die Realisierung des Museums in Bilbao seien Anschauungsbeispiele fuer wegweisende Architektur. Salzburg soll von solchen Experimenten verschont bleiben.

 
Was heute noch serviert wird:

„Oesterreich, was ist das?“ (auf Seite 2)

Entwicklungen am Museumssektor (auf Seite 3)

Kulturpolitik und Sammlung Batliner (auf Seite 4)

Bilbao´s Schritt ins naechste Jahrtausend (auf Seite 5)


Die besten ihres Faches sollten Entwuerfe fuer die Kunsthalle am Moenchsberg vorlegen.
Der Architektenwettbeweb lockte 145 Teilnehmer an, Weltklasse- Architektur wurde jedoch nicht geschaffen. Die Ausgangslage dafuer war auch denkbar unguenstig: die Vorgaben liessen zu wenig Spielraum fuer Kreativitaet, denn es sollte kein Neubau, sondern eine Adaptierung des Casinos geplant werden.

Was die Juroren als „strenge aeussere Form“ lobten, erscheint dem Nichtfachmann als „Schuhschachtel“ oder „Museumsbox“. Die strengen Rahmenbedingungen haben freilich ihren guten Grund: Die Politiker bangten um die Realisierbarkeit des Siegerprojekts und wollten sich auf keine Unwaegbarkeiten einlassen. Zu heikel ist der Standort, zu problematisch eine Abaenderung der Gruenland-Widmung.

Eine Standort-Diskussion fand niemals statt. Fachleute fuer Stadtentwicklung sehen hier abermals eine vertane Chance: Benachteiligte Stadtteile koennten durch kulturelle Anziehungspunkte an Dynamik gewinnen und eine neue Selbstdefinition erfahren. In ihrer Diplomarbeit machten Iris Teiml und Walter Schuster (TH Graz) den Vorschlag einer Kunsthalle in Lehen in Verbindung mit dem Museum auf dem Moenchsberg. Die Fixierung auf den Moenchsberg beim Wettbewerb liess die wichtigen Wechselbeziehungen zwischen Kulturbau und Stadtteilzentrum ausser Acht. Die Konzentration des kulturellen Lebens auf die Altstadt produziert ein Ungleichgewicht zwischen Kulturkonsumenten und Stadtbewohnern, das alle negativen Folgen der sozialen Desintegration nach sich zieht.

Das junge Architektenteam Stefan Zwink, Stefan Hoff und Klaus Friedrich aus Muenchen hielt sich genau an die vorgegebenen Baulinien und machte das Rennen.
Der beinahe quadratische Grundriss fuegt sich unauffaellig in die Landschaft. Kritiker vermissen den Kontext zur Umgebung, besonders die Naehe des Wasserturms zum Museum haette eine spannungsgeladene Beziehung zwischen beiden erfordert. Auch die Idee, das schachtelartige Gebaeude mit Konglomerat zu verkleiden, findet in der Fachwelt wenig Anklang.

Die Gesamtflaeche auf drei Geschossen betraegt 6270 Quadratmeter, davon sind 2.990 Quadratmeter Ausstellungsflaeche. Ueber die Moenchsberglifte gelangt der Besucher ins Foyer und weiter in zwei Ausstellungsraeume, die fuer Wechselausstellungen gedacht sind. Zur permanenten Sammlung im Obergeschoss, die aus Bestaenden des Rupertinums und Leigaben privater Sammler bestehen wird, gelangt man ueber eine langgezogene schneckenfoermige Treppe. Das Restaurant mit 424 Quadratmeter erreicht man ueber die Terrasse, von dort kann die Stadt durch ein Panoramafenster ueberblickt werden.
Zwischen Wasserturm und Museum soll ein kleiner Skulpturgarten angelegt werden.

Die Vorstellung des Siegerprojekts fand im Juli vergangenen Jahres statt, seitdem laeuft die Detailplanung, Baubeginn soll im Jahr 2000 sein.
Euphorisch ist niemand, selbst Landeshauptmann Schausberger, der vor zwei Jahren davon gesprochen hatte, dass „ein architektonisches Meisterwerk“ Bedingung sei fuer das Musuem am Moenchsberg, gibt es jetzt wesentlich billiger - im Maerz 1998 gab er laut Salzburger Nachrichten zu verstehen, dass man sich mit dem Ergebnis des internationalen Wettbewerbs abfinde. Man haette eine hochkaraetige Jury berufen. Den Vorsitz der Jury hatte Luigi Snozzi inne, Mitglieder waren der deutsche Architekt Karl-Josef Schatter, die Wiener Architekten Hermann Czech und Anton Schweighofer, der Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner und Klaus Albrecht Schroeder, der das Museumskonzept fuer Salzburg erstellt hatte. Der Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben, es langten Projekte von Architekten aus Deutschland, der Schweiz, Grossbritannien, Norwegen und Oesterreich ein.

Bauherr des Museums ist das Land, es rechnet mit Kosten von 300 Millionen Schilling (21,8 Millionen Euro), wovon der Bund 120 Millionen (8,7 Millionen Euro) (Kunstministerium und Wirtschaftsministerium) zugesichert hat. Das Land wird ebenfalls dieselbe Summe beisteuern, der Rest wird durch Sponsoren (Casino-AG, Mercedes, AXA Nordstern Colonia, Bank Austria.) aufgebracht.

(Helga Pentek)
 

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Modell des Siegerprojektes
Modell des Siegerprojektes

Andere Ansicht des geplanten Museums der Moderne
Andere Ansicht des geplanten Museums der Moderne

 
     

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