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Ausgabe Nr. 31 - Dienstag  27.4.1999 - Seite 1
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Botschaften fuer den Frieden


Der Jahrtausendwechsel wird ueberall auf der Welt gebuehrend gefeiert werden. Egal ob in Berlin, London, New York oder Sydney – Millionen Menschen werden Zeugen eines Spektakels bisher nicht gekannten Ausmasses sein. Doch waehrend in den meisten Faellen nur der Silvesterabend in Vordergrund stehen wird, soll in Salzburg ein laengerfristiger Projekt fuer den Frieden initiiert werden.

 
Was heute noch serviert wird:

Wettlauf mit der Zeit (auf Seite 2)


100 Tage fuer den Frieden – unter diesem Motto steht die offizielle Milleniumsaktion der Stadt Salzburg. An den letzten 100 Tagen des Jahres sollen Friedensbotschaften von 100 Staaten dieser Erde auf den Moenchsberg projektiert werden. Dabei soll jeden Abend eine Daily Night Show veranstaltet werden, bei der ein Trailer ueber das jeweilige Land auf einer riesigen Leinwand auf dem Moenchsberg gezeigt wird. Das soll das gegenseitige Interesse und Verstaendnis zwischen den Kulturen foerdern. Vom Muellnersteg aus wird in einer multimedialen Praesentation die Friedensbotschaft des jeweiligen Staatschefs uebermittelt. Im Anschluss daran wird eine von Kindern gestaltete Fliedensflagge zu sehen sein, die dann am naechsten Tag als Tafel auf der Wand am Moenchsberg befestigt werden wird. So wird dann mit der Zeit ein bunter Flickenteppich mit Friedensbotschaften aus allen Teilen dieser Welt zu sehen sein. Wenn dann Oesterreich am 30. Dezember die letzte Friedensbotschaft uebermittelt hat, wird ein Archiv aus Dokumenten dieser Welt entstanden sein.


Im Fruehjahr 1998 beschloss der Stadtrat, ein offizielles Milleniumsprojekt ins Leben zu rufen. Nach einem Wettbewerb wurde Hannes Jagerhofer mit seiner Event-Agentur damit beauftragt, ein Konzept zu erstellen, in dem sich Salzburg mit einem globalen Jahrtausendprojekt als voelkerverbindende Stadt praesentieren kann. Die Botschaft am Ende des 2. Jahrtausends sollte Frieden sein – ein Anliegen, dass gerade in diesen Tagen traurige Aktualitaet erlangt hat. Am 4. November vergangenen Jahres billigte der Gemeinderat mit einer knappen 22:20 Entscheidung das Konzept und die damit im Zusammenhang stehenden Zahlungen in Hoehe von 25 Mio. Schilling.
Die Fremdenverkehrsbetriebe der Stadt Salzburg sind dabei die ausfuehrenden Behoerde. Bernhard Taferner kuemmert sich vor Ort um das Projekt „The Signal of Salzburg“. In einem Gespraech mit ihm konnte die Redaktion des SalzBurger Einblicke in die Problematik bekommen.


Ein Problem stellt noch die Akzeptanz in der Bevoelkerung dar. In einer TED-Umfrage des ORF ergab sich vor zwei Wochen eine 88%ige Ablehnung des Projekts. Bernhard Taferner erklaert sich das zum Teil damit, dass wegen dem Wahlkampf bisher noch keine gezielten oeffentlichkeitswirksamen Aktionen moeglich waren. Ausserdem sei die Fragestellung auch suggestiv gewesen, weil dabei nur der Kostenaspekt im Vordergrund gestanden habe. In frueheren Umfragen von Meinungsforschungsinstituten mit Standardsamples hat sich nach Angaben Taferners im Dezember eine Ablehnung von 51% bei gleichzeitiger Zustimmung von 46% aller Befragten ergeben. In einer weiteren Umfrage, die die politische Gegnerseite in Auftrag gegeben hatte, zeigte eine Ablehnung von 2/3 aller Befragten.
In der politischen Landschaft sah es zumindest am Anfang ganz aehnlich aus: Waehrend OeVP, die Buergerliste und die Freiheitlichen dem Gemeinderatsbeschluss am 4. November 1998 ihre Zustimmung gaben, lehnte die SPOe den Antrag ab. Der sich neu zusammensetzende Gemeinderat stimmte vor zwei Wochen jedoch einstimmig fuer das Projekt. Die entgueltige Entscheidung wird am 10. Mai in der ersten Sitzung des Stadtsenats fallen. Aber Bernhard Taferner ist zuversichtlich: „Wir gehen davon aus und hoffen, dass sich die politischen Entscheidungstraeger an ihre bisherigen Beschluesse halten werden“.
Bis das letzte Wort auf politischer Ebene gesprochen ist, bleiben auch die Schreiben an die Staatschefs mit der Bitte um eine Botschaft noch in der Schublade. Da es sich um ein globales Projekt handelt, werden die Organisatoren von der oesterreichischen Bundesregierung unterstuetzt.


Wie werden nun die 100 Staaten ausgewaehlt, die ihre Botschaften an den Moenchsberg strahlen duerfen? Steht zu befuerchten, dass wir am Silvesterabend Friedensgruesse aus Belgrad zu erwarten haben? „Nein“ sagt Bernhard Taferner und verweist auf die Kriterien. Es sollen nur solche Regierungen angeschrieben werden, die von der oesterreichischen Bundesregierung anerkannt werden. Saddam Hussein, Slobodan Milosevic, Muammar Al-Gaddafi und anderen soll keine Plattform geboten werden, um sich provokant zu aeussern.
Bei einem Projekt fuer den Weltfrieden waere es sicher wuenschenswert, wenn sich alle Staaten friedlich praesentieren koennten und die voelkerverbindende Rolle der Kultur die Politik verdraengen koennte. Aber dem stehen politische Zwaenge und Realitaeten gegenueber, die auch nicht fuer den Zeitraum von 100 Tagen ausgeschaltet werden koennen.
Das Besondere an der Aktion ist seine Auslegung auf ein laengerfristiges Projekt, das 100 Tage dauern wird und am Silvesterabend mit einem Silvesterfest fuer die Salzburger Bevoelkerung seinen Hoehepunkt erreichen wird. Aber die Botschaft des Friedens soll tiefer gehen. So sollen Kinder aus den 100 Staaten mit einem „Airplane of the world“ ankommen und dann in Gastfamilien untergebracht werden. Das Spektakel soll weltweit per Internet zu verfolgen sein und es gibt auch Planungen ueber den Jahrtausendwechsel hinaus. Es ist daran gedacht, jaehrlich einen Friedenspreis der Musik zu verleihen – den „The Signal of Salzburg Award“.


Damit setzt sich Salzburg auf wohltuende Art von den zahlreichen, mindestens ebenso teuren Silvesterspektakeln ab, die es in den Grosstaedten dieser Welt geben wird. Eine Botschaft, dass es auch anders geht. Vielleicht findet dieser Ansatz Nachfolger.



von Daniela Rieker und Guy Mavar Tamfur
 

Links zum Thema:

Silvester in Kapstadt Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Was passiert in London? Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Wo tanzt der Bär in Berlin? Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Silvester in Sydney Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Silvester in einigen Städten Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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Auf diese Wand sollen die Friedensbotschaften und Trailer gestrahlt werden
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Ein Signal will die Stadt Salzburg mit ihrer Silvesteraktion setzen
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Und so soll der Mönchsberg zum Jahresende aussehen
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