Werbung Zurück zur aktuellen Ausgabe
Ausgabe Nr. 55 - Mittwoch  29.11.2000 - Seite 1
Kultur

Werbung
     
  SalzBurger Köpfe
Der Rückblick des Tages auf einen ausgewälten SalzBurger-Artikel
Am 26.4.1999 berichtet der SalzBurger über den Neubau des Künstlerhauses.


Neulich im SalzBurger:
am 24.11.2000
Selling the Drama

am 23.11.2000
Bergmanie in den Alpen


Der aktuelle Blick über den Tellerrand - rund um den SalzBurger

"jo brauch ma dn de germanistn? jo de brauch ma, du suamm. Waun de net umgromm und umgromm und umgromm duan, daun is füü, wos ma gschriamm ham, fiar alle zeit gschduamm." (ernst jandl, 1997) Ein Votrag vom Salzburger Univ. Prof. Dr. Karlheinz Rossbacher zum Thema "Naht mit dem Internet das Ende des Buches?"

mehr dazu Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Genug von "Last Christmas"? Xmas-Songs der anderen Art gibt's nun auf FM4: "Leise rieselt der Schnee" (in Versionen von Projekt X, Martin Pieper und Martin Blumenau), "Oh Tannenbaum" (Luna Luce und Stuart Freeman), "Ihr Kinderlein, kommet" (Stermann und Grissemann) oder "Es wird scho glei dumpa" (Hermes & der Einbeinige) zum Downloaden!

mehr dazu Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Jazz in town! Funk, Groove and Jazz vom Mozarteum Orchester "Jazz`n Groove" wieder am Mittwoch 29.11.2000 ab 20.30 Uhr im Mattseer Stiftskeller (Büro) Sehr hörenswert!(AF)

mehr dazu Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Winterzeit, Heizzeit, Energie-sparzeit! Das Land-Salzburg gibt Tipps und Tricks, wie man in der kalten Jahreszeit auf seinen Geldbeutel schauen kann.

mehr dazu Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!


Alle frueheren Ausgaben - im SalzBurger-Archiv
Hier koennen Sie die Mannschaft des SalzBurgers kennenlernen!

Post an den SalzBurger abschicken

Kartoffeln, Kirschen, Kieselsteine - Lyrik auf dem Lande


Eine Frau hat eine Erfahrung gemacht und sucht nun ihre Worte dazu. Die Pinzgauerin Brigitte Niederseer bekam den Salzburger Lyrikpreis 2000 verliehen.

 
Was heute noch serviert wird:

"Ich bin ein extremer Mensch" (auf Seite 2)


Es gibt sie noch: Menschen, die schreiben und Lyrikpreise, die ihnen verliehen werden.

Am 18. November wurde im Literaturhaus der mit 40.000 Schilling dotierte Salzburger Lyrikpreis an Brigitte Niederseer aus Maishofen überreicht. Die Jury - bestehend aus Tomas Friedmann, Mag. Petra Nagenkögl und Univ. Ass. Dr. Ulrike Tanzer - traf ihre Wahl aus beachtlichen 98 Einreichungen und meinte in ihrer Begründung: "Die Gedichte der Autorin überzeugen durch ihre sprachliche und thematische Homogenität. Die Auseinandersetzung mit einer dörflichen Welt geschieht in einer zurückgenommenen Sprache und lässt Bilder von großer atmospärischer Dichte entstehen."

Was man sich darunter vorstellen kann? Hier eine Leseprobe:


Im Dorf

auch wenn Kirschen blühn
ist die Stirn eng wie das Tal
hängt der Himmel tief
hat die stärkere Faust recht
und schuld ist der andere

vor dem Gewitter
ist sogar das Vieh gereizt
seine Hand trifft hart
und Frühgeburten sind halt
nur selten lebensfähig

der Vorgarten ist
im Herbst der schönste im Dorf
und Kartoffeln sind
schnurgerade gelegt
weil jemand zupacken kann

wenn tiefer Schnee liegt
dringt kein Schrei durch die Mauern
außer zum Nachbarn
aber der hört und sieht schlecht
und reden kann er auch nicht


Seit 1993 vergibt nun das Land Salzburg einen eigenen Lyrikpreis, ausgeschrieben in den Jahren, in denen kein Trakl-Förderungspreis vergeben wird. Teilnahmeberechtigt sind dabei alle im Land Salzburg geborenen oder hier lebenden Autorinnen und Autoren. Ist es nun erstaunlich, dass sich Menschen am Beginn des 21. Jahrhunderts noch Gedichten zuwenden, sogar selber welche schreiben? Oder dürfte es eigentlich nicht erstaunen - angesichts der zunehmend komplexer werdenden Lebensentwürfe und Biographien?

Die Gedichte Niederseers zeigen eine sehr genaue Wahrnehmung ihrer nicht immer harmonischen ländlichen Umgebung und brechen bewusst mit dem Bild vom Idyll "im Dorf". Dennoch dringen Ehrfurcht und Respekt vor Mensch, Natur und Sprache durch. Da stecken keine syntaktischen Experimente, keine verschlüsselten Botschaften drinnen, nur der Versuch sich zu erklären. Die Lyrikerin möchte nichts schön schreiben. Ihre Aussage ist klar. Vielleicht zu klar? Hat man das nicht alles schon einmal irgendwo gelesen?

Die Zeiten verbindlicher literarischer Kriterien und Maßstäbe sind vorbei. Das Schreiben ist demokratischer geworden. Viele schreiben, immer mehr schreiben - und das am liebsten in Schreibwerkstätten. Sprache ist Werkstoff. Aber kann eine Unterscheidung in "gut" und "schlecht" durch eine Einrichtung wie den Lyrikpreis dann noch gerechtfertigt werden? Kann ein Text überhaupt noch beurteilt werden?

Ja, er kann. Tomas Friedmann schildert seinen persönlichen Zugang: "Wenn ich ein Gedicht lese, muss es mich ansprechen, müssen in mir Bilder entstehen. Dann schaue ich mir an, wie es gebaut ist und lese es laut. So ergibt sich meine Beurteilung eines Gedichtes, aber natürlich liest es jeder anders!"

Und das ist auch gut so. Über Gedichte mag man lächeln, reden oder streiten. Lyrik polarisiert und irritiert, denn genau das liegt auch in ihrer Absicht. Aber über die Tatsache, dass Preise wie dieser vergeben werden, darf man sich freuen ... wie über die Tatsache, dass Menschen den Mut zeigen mit Sprache zu werken.
(schach)
 

Links zum Thema:

Literaturhaus Salzburg - Wo das Leben zur Sprache kommt Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
<< vorige Seite nächste Seite >>

 

Kulturlandesrat Dr. Othmar Raus verleiht den Salzburger Lyrikpreis 2000 an Brigitte Niederseer
Kulturlandesrat Dr. Othmar Raus verleiht den Salzburger Lyrikpreis 2000 an Brigitte Niederseer

Die Germanistin Ulrike Tanzer achtete auf stilistische Aspekte
Die Germanistin Ulrike Tanzer achtete auf stilistische Aspekte

Der Leiter des Literaturhauses Tomas Friedmann vertraute auf sein (Sprach-) Gefühl
Der Leiter des Literaturhauses Tomas Friedmann vertraute auf sein (Sprach-) Gefühl

Die Autorin Petra Nagenkögel brachte eigene Erfahrungen ein
Die Autorin Petra Nagenkögel brachte eigene Erfahrungen ein

 
     

Big Brother Awards Austria