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Ausgabe Nr. 117 - Mittwoch  5.12.2001 - Seite 2
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Der aktuelle Blick über den Tellerrand - rund um den SalzBurger

Der letzte Schrei: X-MAS Mails Style "homemade": Man nehme die passende Einstellung, die richtigen Zutaten und - vor allem - die richtige Adresse zum Einüben interaktiver Gestaltung...

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Für alle, die’s weniger modern aber trotzdem sinnlich mögen empfiehlt sich am Weekend der Besuch eines der wenigen "echten" Salzburger Adventmärkte, beispielsweise des "Hellbrunner Adventzauber" im Schlosshof von Hellbrunn.

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Vorausgesetzt, man wird vom Krampus nicht mitgenommen, könnte man sich vom Thema "Weihnacht & Co" kurzfristig lösen und sich ein wenig den irdischen Genüssen zuwenden, die da wären: Swing und Robbie Williams, der zumindest eins ganz sicher hat - einen echt netten... britischen accent.

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Die Judenverfolgung in Salzburg und die Fragwürdigkeit der österreichischen Nachkriegsmoral


Die Judenverfolgung in Salzburg hat eine lange Geschichte. Auch die Nachkriegsmoral und die Hochstilisierung Österreichs als Opfer des nationalsozialistischen Regimes nach 1945 werfen ein schiefes Licht auf unser Land.

 
Was heute noch serviert wird:

Spät aber doch - Das von den Nazis geraubte Vermögen der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg wird restituiert (auf Seite 1)

Wissen online: Rassismus/Antisemitismus (auf Seite 3)


Die Judenverfolgung in Salzburg reicht weit zurück. Als im Jahre 1348 in fast ganz Europa die Pest ausbrach, wurden die Juden zuerst in Frankreich der Brunnenvergiftung beschuldigt. Diese Beschuldigung überzog dann praktisch ganz Europa. Auch in Salzburg kam es dabei zu schweren Judenverfolgungen. Im Jahre 1404 wurden auf Befehl des Erzbischofs Eberhard III. in Salzburg fast alle Juden verhaftet und dann verbrannt. 1498 sind alle Juden aus dem Erzbistum verbannt worden. Erst 1867 hat ein Jude die offizielle Erlaubnis erhalten, sich wieder in der Stadt anzusiedeln. 1901 ist in Salzburg die jüdische Synagoge eröffnet worden. Die jüdische Gemeinde ist bis 1936 auf 280 Bürger angewachsen.

Die Zeit des Nationalsozialismus in Salzburg

Am 10. 11. 1938 sind im Rahmen der "Reichskristallnacht" in Salzburg die jüdische Synagoge und sieben Geschäfte zerstört worden. 60 bis 70 männliche Juden wurden in dieser Nacht verhaftet und in KZs deportiert. In weiterer Folge wurden 19 Gewerbebetriebe und 40 Wohnungen "arisiert", darunter auch Stefan Zweigs Paschinger Schlösschen auf dem Kapuzinerberg und Schloss Leopoldskron. Die Nazis bezifferten den Wert dieser Beute samt Kunstgegenständen auf 37,5 Mio. Schilling nach heutigem Wert. Die Juden wurden systematisch aus Vereinen ausgeschlossen, eine Ausnahme bildeten lediglich der "Salzburger Kunstverein" und die "Gesellschaft für Salzburger Landeskunde". Die fünf jüdischen Mitglieder der Rechtsanwaltskammer wurden hinausgeworfen. Als einzige österreichische Stadt veranstaltete Salzburg am 30. April 1938 eine "Bücherverbrennung": Auf dem Residenzplatz wurden jüdische und klerikale Bücher "ausgemistet", darunter Werke von Stefan Zweig, Arthur Schnitzler und Sigmund Freud. Und als erste österreichische Stadt veranstaltete Salzburg ab dem 4. September im Festspielhaus die Ausstellung "Entartete Kunst".

Die österreichische Nachkriegsmoral

In den Nachkriegsjahren des 2. Weltkrieges stilisierte sich Österreich als "Opfer des Nationalsozialismus" hoch. Dieser Mythos diente bis Anfang der Neunzigerjahre zur Abwehr von Forderungen nach Entschädigung der NS-Opfer. Die Schuld an den Verbrechen wurde auf "die Deutschen" abgeschoben. In einem 1945 verfassten Memorandum der Staatskanzlei für Auswärtige Angelegenheiten heißt es: "Die Judenverfolgungen erfolgten während der Dauer der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen. Die Verfolgungen wurden durch reichsdeutsche Behörden angeordnet und mit ihrer Hilfe durchgeführt." Der damalige Bundespräsident Karl Renner behauptete sogar, der österreichische Antisemitismus sei nie aggressiv gewesen und die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung habe die Nazimethoden abgelehnt und geholfen, wo sie nur konnte. Ein Hohn angesichts der Tatsache, dass von den 206 000 Juden, die 1938 in Österreich lebten, nur 5 500 die NS-Herrschaft überlebt haben. Doch die zahlreichen ermordeten Juden passten nicht in das Konzept von Österreich als dem gänzlich unschuldigen ersten Opfer nationalsozialistischer Aggressionspolitik. Man sehnte sich nach einer Rückkehr zur Normalität und stieß die Opfer des nationalsozialistischen Regimes vor den Kopf, indem man ihr Leiden bagatellisierte.


(mast)
 

Links zum Thema:

Entschädigung jüdischer NS-Opfer Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Rechte Tendenzen in Österreich Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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Die Bücherverbrennung auf dem Residenzplatz in Salzburg
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Der Dollfuß-Platz in Salzburg wird umbenannt in Adolf Hitler-Platz
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Ein von den Nazis zerstörtes jüdisches Geschäft in Salzburg
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