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Ausgabe Nr. 30 - Montag  26.4.1999 - Seite 3
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Besuch im Kuenstlerhaus


Schon seit rund 150 Jahren gibt es den Salzburger Kunstverein, der spaeter in den 1880ern unter Initiative des damaligen Kardinal Fuerst Friedrich von Schwarzenberg das Kuenstlerhaus als Arbeits- und Ausstellungsstaette fuer die regionalen Kuenstler erbaute.

 
Was heute noch serviert wird:

"Wie in einer Wohngemeinschaft der 70er Jahre..." (auf Seite 1)

Zur schoenen Aussicht (auf Seite 2)

Elsa Prochazka, die Architektin des Neubaus im Kuenstlerhaus (auf Seite 4)


Es sind heute dort 23 Ateliers im Keller, im Erdgeschoss und im ersten Stock vermietbar, die allerdings alle schon belegt sind. Dass heute auch internationale Ausstellungen und Kontakte mit Kuenstlerorganisationen in Salzburg bestehen, hat die Stadt vor allem den regen kulturellen Aktivitaeten des Kuntvereins zu verdanken. Natuerlich bietet das Kuenstlerhaus des weiteren den ansaessigen Kunstschaffenden die Moeglichkeit, sich einem breiterem Publikum bzw. der Oeffentlichkeit zu praesentieren. Aber das kann nicht alles sein, was ein Kuenstler-"Haus" ausmachen sollte. Es sollte ein Kommunikationszentrum mit den Kuenstlern sein fuer die Stadt und die Stadtbewohner. Doch faktisch ist es nur eine Arbeitswerkstatt, die nicht sehr haeufig frequentiert wird von den Salzburgern. Woran kann das liegen? Weil man einfach nichts weiss vom Kuenstlerhaus? Oder man falsche Vorstellungen davon hat, was ein Kuenstler-Haus ist? Vielleicht sollte man die Fragen damit beginnen, ob "die" Kuenstler tatsaechlich eine vom wirklichen Leben abgehobene Gruppe ist, die ihre Zeit im Zwiegespraech mit nicht vorhandenen Musen verbringen. Es ist wohl eher nicht das abstrakte Wort "Kunst" dasjenige Hindernis fuer die Spaziergaenger, sich im Kuenstlerhaus einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der regionalen und internationalen Kunstszene zu machen, sondern vielmehr weil er oder sie die ihre Kuenste betreibenden Menschen nicht kennt oder Vorurteile ueber die Kuenstler einen davon abhaelt, ihre Arbeiten zu betrachten und das Dahinterliegende – naemlich unsere gegenwaertige Welt – mit anzusehen.

Der erste Schritt zur Ueberwindung der Befremdung muss also darin zu sehen sein, die Kuenstler aufzusuchen, zu sehen, wo und wie sie arbeiten. Was sie tun und zu verstehen suchen, warum sie sich fuer diese Arbeit als ihr Leben entschieden haben.
Max Rieder (Erdgeschoss), 90-jaehriger Bildhauer und Graphiker mit oesterreichweitem Renommee, betrat das Kuenstlerhaus im Jahre 1950 und hat seitdem sein Studio sozusagen nicht verlassen. Obwohl er konzentriert ueber eine Gussform gebeugt war, gewaehrte er freundlich Einlass in sein nach Tonstaub riechendes Atelier, das von seinen vielen Skulpturen aus Bronze und Ton regelrecht besetzt ist. Fuer ihn ist dieses Atelier mit seinen Arbeiten, seinen "Kindern", noch immer fast ein zweites Zuhause, wo er taeglich hinkommt nicht aufhoeren kann, taetig zu sein. Es war ueberraschend zu hoeren, dass zwischen den Kuenstlern im Haus selber wenig Ideenaustausch vorhanden ist. Man bleibt im eigenen Atelier und konzentriert sich auf die eigenen Arbeiten. Treffpunkte sind einzig das hauseigene Café (das "Wohnzimmer") sowie Eroeffnungsveranstaltungen und Ausstellungen. So lauten jedenfalls die Auskuenfte von den Malern Johannes Ziegler und Johannes Steidl (beide erster Stock). Obwohl sie im Interview freimuetig ueber ihre Haltung zur Kunst sprechen, draengt es sie scheinbar nicht, innerhalb des Kuenstlerhauses ueber das Wesen ihres Schaffens zu reden. Das Kuenstlerhaus ist also weniger eine Kuenstler-"Kolonie" als Werkstatt fuer diese Menschen. Eine moegliche Erklearung fuer diesen Rueckzug ist auch, dass die meisten sich mit Nebenjobs und dem wenigen, was die Verkaeufe ihrer Werke abwerfen, leben muessen und daher die Zeit zum Arbeiten nuetzen muessen. Offiziell darf ja auch nicht im Kuenstlerhaus gewohnt werden, sodass die Arbeit und damit auch der Verbleib in den Studios Vorrang hat. So erfuhr beispielsweise die amerikanische Kuenstlerin Joyce Blunk (erster Stock), die sechs Wochen als Gast im Kuenstlerhaus verweilt, erst im Verlaufe des Interviews von Max Rieder und seinen Arbeiten. Sie ist wohl eine bemerkenswerte Kuenstlerin, sicherlich aber ein Sonderfall in Oesterreich mit ihren Schreinen, in denen sie den Hang zur Sammlung von Jagdtrophaeen (wie gefangene Fische) mit makabren Verfremdungen dieser Trophaeen in unerwarteten Kontexten skurril-erschreckend sichtbar macht. Sie hat ihrem Aufenthalt hier einem einmal jaehrlich stattfindenden Kuenstler-Austauschprogramm zu verdanken, das zwischen dem Salzburger Kunstverein und dem "Virginia Center for Creativ Arts" in den USA laeuft.

Fuer J. Blunk hatte das Interview uebrigens den Effekt, dass sie sich naechstens mit M. Rieder und seinen Werken bekanntmachen, einfach mal an seine Tuere klopfen wolle. Vielleicht verlockt diese vorliegende Geschichte auch einige Leser und Leserinnen dazu, das Kuenstlerhaus und seine Bewohner zu besuchen. Zur Zeit kann man dort bis zum 23. Mai von 12 bis 19 Uhr eine Rauminstallation der Wienerin Ingeborg Strobl besuchen, die sich mit dem Verhaeltnis zwischen Mensch und Tier und dem Bild der Frau in der Werbung auseinandersetzt. Naehere Informationen zum Ausstellungsprogramm 1999 kann man sich im Kuenstlerhaus holen.
 

Links zum Thema:

Salzburger Kunstverein im Internet Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

Über den Kunstverein Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

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Eingangsbereich
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Kuenstlerhaus
Kuenstlerhaus

 
     

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