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Ausgabe Nr. 4 - Donnerstag  19.11.1998 - Seite 4
Stadt-Menschen

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Das Leben am Kapuzinerberg


Es ist alles anders: Es war die Ausweglosigkeit, das Leben zu überleben. Es ist fast wie im Mittelalter. Da ich einen Hund habe, ist es schwierig, eine Wohnung zu bekommen. Da ich die finanzielle Möglichkeit auch nicht habe, sagte ich mir, es muss auch anders gehen.

 
Was heute noch serviert wird:

Salzburg einmal anders (auf Seite 1)

Fragen an .... Adi. (auf Seite 2)

Was tut die Stadt Salzburg? (auf Seite 3)


Es ist für mich im Winter die Kälte, die Einsamkeit sehr wichtig gewesen, da ich mich dabei näher kennengelernt habe. Es war oft nicht leicht, aber ich wurde immer stärker in meinem Dasein des Lebens. Man muss was machen, um sich einzurichten, dass man auch das Gefühl hat, ein mögliches Zuhause zu haben.

Und das war mein erster Schritt: Ich sammelte Material, das ich in Containern fand und baute mir ein kleines Heim. Machte mir eine Feuerstätte um mich auch normal zu ernähren. Und kochte mit Liebe gern, da es ein romantisches Verfahren ist, wie in alten Zeiten, wo es keinen Strom nicht gab.

Es ist alles anders, als wie in einer Wohnung mit Türen und Fenstern, da ich nichts habe, meine Tür zuzusperren. Man schlaft anders, man passt mehr auf, weil es immer mehr Verbrechen durch sozialen Notstand gibt. Dies vermehrt sich sehr in Salzburg.

Doch es ist wunderbar, das Tierreich, das man in der Stadt nicht erleben kann. Es ist so, als lebe man mit den Gemsen, Siebenschläfern, Mäusen und den Raubvögeln in einem Einklang, sie geben dir das Gefühl, eine grosse harmonische Familie zu sein.

Man muss sich anpassen an den Berg - und alles kann nur gut gehen. Es war für mich eine Herausforderung, dies alles zu erleben, um es zu wissen, was in mir noch steckt, um der ganzen Einheit in unserem Leben näher zu sein. Die alles ist auch mit Arbeit verbunden, die man mit Liebe macht.

Doch träume ich, ein Heim zu haben, wo mich der Stadt auch anpassen kann, eine Adresse, wo ich gemeldet bin, wo ich auch ein Leben leben kann - mit Arbeit, um viele Schulden, die man so beim Staat hat, loszuwerden."

Asfalter3/1998



"Das Leben auf der Strasse:
Verflixt und auch schön.

Das Leben auf der Strasse. Es ist verflixt und auch schön. Aber nicht leicht zuzusehen, wenn man Leute trifft, die man kennt, die Wohnung und Arbeit gehabt haben und dies verloren haben. Wenn sie sich im Alkohol verlieren. Sie verändern sich so rapid, dass man zusehen kann, wie sie verfallen. Man kann hören, wie die Seele nach Freiheit schreit. Der Körper sich aufschwemmt und der Geist Wörter verwirrt in der Sprache rausgibt. Es ist schwer, diesen Menschen helfen zu können mit der geistigen Kraft, die man selber besitzt.

Ich selbst bin auf der Strasse und fing zu saufen an. Weil die Menschen einem reindrücken, dass man eine faule Sau ist und nicht in das Stadtbild rein passt. Wo man eigentlich zu Hause ist, wird man vertrieben und nicht anerkannt. Aber keiner weiss, warum und wieso ein Mensch gerade in der Lage ist, dies Leid auf der Strasse zu tragen.

Ich selbst bin dreizehn Jahre arbeiten gewesen und trotzdem habe ich alles verloren, was ich mir aufgebaut habe, weil ich nicht Streit wollte über ”mein“ und ”dein.“ Und gab alles her, mit dem ich eigentlich ein familiäres Leben leben wollte. Und so ging ich auf die Strasse, weil es besser gewesen ist für mein Kind und die Frau, die ich liebte. Ich war zu schwach, dies alles zu ertragen, nicht in Harmonie zu leben, wie ich es mir wünschte.

Plötzlich lernte ich Leute kennen, die auch eine ähnlich Situation erlebten und auch andere Formen, die sie auf die Strasse brachten. Ich hatte ein Gefühl, wieder in einer Form einer Gemeinschaft zu sein - um nicht allein zu sein. Allein sein ist nicht leicht auf dem Weg ohne Wohnung, ohne Anerkennung von Menschen. Man kann oft froh sein, dass es Menschen gibt, die dir helfen wollen auf der Strasse - ich danke Gott - und die nicht auf der Strasse sind, die ihr Herz nicht verkauft haben. Sie geben dir Geld, dass du dir zum Essen und zum Trinken kaufen kannst.

Oft machen Menschen Fehler mit dem Geld, welches sie bekommen. Sie wollen ihren Kummer wegsaufen, weil sie zu schwach sind, um wieder aufzustehen. Es wird auch einem oft nicht leicht gemacht. Man verlangt von einem, er soll arbeiten gehen. Ist schon gut so, aber wie - ohne einem Dach über dem Kopf? - Ich selbst bin zweimal arbeiten gewesen, ohne einem Dach über dem Kopf. Es machte mich fast kaputt, keine Dusche, keine Küche zum Kochen und das erste Monat kein Geld um Essen zu besorgen. Und wenn du das erste Geld bekommst: zu wenig, um dir eine Wohnung zu leisten.

Auf das Sozialamt zu gehen ist auch nicht mein Weg gewesen, dann heisst es wieder: ”Sozialamtschmarotzer.“ Und ich verschulde mich automatisch, meine Schulden werden immer mehr, da ich auch zu viele Alimente-Schulden habe. Ich frage mich oft, wie komme ich weg von der Strasse?

Jetzt habe ich einen besten Freund, Lady - mein Hund, die möchte ich nie im Leben verlieren. Meine Tochter, meine eigene Familie, die mir das Leben geschenkt hat, habe ich verloren, im ersten Lebensjahr. Und Freunde von der Strasse, die sich tot gesoffen haben oder durch Drogen gestorben sind, weil sie mit ihrer Umwelt nicht zurechtgekommen sind, auf der Strasse.

Ich selbst bin froh, dass ich den Drogen und dem Alkohol nicht verfallen bin. Ich liebe mein Leben, auch wenn es nicht leicht ist, hier zu sein in meinem, deinem Land, ohne ein Zuhause. Wer könnte eventuell helfen? Ich bin arbeitswillig, möchte aber auch kein Sklave sein."

Asfalter 9/1998
 

   
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Das Wichtigste in meinem Leben ist mein Hund Lady.
Das Wichtigste in meinem Leben ist mein Hund Lady.

 
     

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