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Ausgabe Nr. 97 - Donnerstag  31.5.2001 - Seite 2
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"Das Geld wird knapper. Da bleiben die Kids auf der Strasse stehen."


 
Was heute noch serviert wird:

"Einen typischen Fall haben wir nicht." (auf Seite 1)


Worauf lässt es sich zurückführen, dass gerade dieses Jahr so viele Jugendliche kommen?
Das Geld wird knapper. Im ganzen Sozial- und Jugendbudget ist es so. Jugendämter haben weniger Geld, können natürlich weniger unterbringen. Da bleiben die Kids auf der Strasse stehen.

Ist im Winter mehr los als im Sommer?
Das ist die Annahme, die in der Luft schwebt, ist aber in keiner Jugendnotschlafstelle in Österreich so. Und das ist damit zu erklären, dass es im Sommer wahrscheinlich leichter ist, einen Schlusstrich mit jemandem zu ziehen oder wegzurennen, als im Winter. Weil die Gefahr einfach relativ groß ist, auf der Straße zu stehen, wenn man diesen Schritt geht, und die Hemmschwelle einfach im Sommer niedriger ist. Wir haben zwar auch die Auflage, wie die Erwachsenen-Notschlafstelle, im Winter mehr Auslastung haben zu müssen, aber die ersten zwei Jahre war es ganz klar so, dass im Sommer die Auslastung größer war als im Winter.

Gibt es eine Altersgrenze für die Aufnahme in Exit 7?
Ja, bis Ende des 18. Lebensjahres. Wobei wir noch nicht wissen, ob die geplante Herabsetzung der Volljährigkeit (im Zuge einer EU-weiten Vereinheitlichung des Volljährigkeitsalters, Anmerkung der Red.) einen Einfluss auf unseren Vertrag haben wird. Ob wir dann Jugendliche nur noch bis Ende 17 aufnehmen dürfen, was schwierig wäre für die Jugendlichen, vor allem weil die Jugendlichen für die Erwachsenennotschlafstelle nicht geeignet sind. Dort ist ein ganz anderes Publikum, und es gibt für junge Erwachsene in Salzburg eigentlich gar nichts.
Es wird auch relativ streng darauf geschaut, dass wir niemanden aufnehmen der 19 oder älter ist. Das geht ja auch nicht mit 13-, 14-Jährigen im Haus, da wird die Altersspanne zu groß. Die Jüngsten, die wir bisher hatten, waren 13. Wir nehmen offiziell ab zwölf Jahren auf, aber da schaut man natürlich auch, dass es für solche Fälle eine gesicherte Unterbringung, wie zum Beispiel in der Krisenstelle, gibt, wo auch untertags eine Betreuung vorhanden ist.

Wie sieht ein typischer Aufnahmefall aus?
Einen typischen Fall haben wir nicht. Im Normalfall ist es einfach so, dass wir die Jugendlichen einfach hereinbitten und schauen, dass sie zur Ruhe kommen. Manche sind sehr aufgelöst, je nachdem aus welcher Situation sie kommen. Jugendliche, die schon länger auf der Straße sind, sind meistens cooler. Kids, die eben erst von zu Hause weg sind, merkt man schon mehr Anspannung an. Es wird zuerst einmal geschaut, warum der Jugendliche hier ist, was treibt ihn her, was ist los, wie kommt es soweit. Je nachdem wie er oder sie drauf ist, man merkt das gleich. Da gibt es die, die gerne erzählen und andere, die am liebsten kein Wort sagen würden, weil sie vor irgend etwas Angst haben. Man muss schauen, zumindest an die Grundinformationen zu kommen, wobei wir keine Pässe überprüfen, oder sonstige Daten. Dann gibt man dem Jugendlichen einmal etwas zu essen, zeigt das Zimmer her, und dann verfällt meistens schon die erste Angst.
Die meisten stellen sich Schlafsäle mit Stockbetten und Eisenbetten vor, und alles ist irrsinnig grausig. Tatsache ist, dass wir im Normalfall, bei Sechserbelegung, also 100 Prozent Auslastung, Einzelzimmer haben. Nur im Notfall haben wir Doppelzimmer. Die Kids merken dann schon an der Atmosphäre, dass es nicht so schlimm ist, wie sie es sich vorstellen.
Und dann kann man ohnehin nur schauen, über Nähe und Kontakt mehr zu erfahren und zu schauen, wo man mit der Hilfe ansetzen kann, wenn es gewünscht wird. Und die meisten wollen dann doch schon etwas. Manchmal dauert es etwas länger, bis man es herausfindet.

Woher erfahren die Jugendlichen üblicherweise, dass es die Jugendnotschlafstelle gibt?
Cirka 80 Prozent kommen über Mundpropaganda. Einige werden über das Jugendamt hervermittelt, eingewiesen werden kann ja keiner. Es kann also nur eine reine Vermittlungstätigkeit sein. Oder sie erfahren es von anderen Stellen, aber die meisten kommen wohl über Mundpropaganda. Und das ist schon einmal nicht so schlecht, da kann es nicht so schlimm sein bei uns, wenn wir weiterempfohlen werden.
Im Normalfall landen viele Kids, die von daheim abhauen, am Bahnhof. Dort sind einfach auch relativ viele Kids, die schon einmal bei uns waren. Sie kennen sich beinahe alle untereinander, es spricht sich herum. Dann gibt es noch das Jugendcafé „Biwak“, da treffen sich auch viele, und so spricht es sich irgendwie herum.
Von den 40 Jugendlichen, die heuer schon da waren, war die Hälfte schon früher einmal da, und die andere Hälfte sind Neuzugänger.

Wie erfolgt die Finanzierung?
Die Förderung erfolgt jeweils zur Hälfte von Stadt und Land Salzburg, Träger ist die Caritas.

Ist die Förderung für die Jugendnotschlafstelle zukünftig abgesichert?
Wir haben immer nur Ein-Jahres-Verträge, es wird immer im Herbst neu verhandelt. Wir wissen es nicht, wir hoffen natürlich, aber eine Garantie haben wir natürlich keine. Was man sagen kann ist, dass wir die vorgegebenen Verträge erfüllen, auch mit Auslastung und dergleichen. Wir haben in manchen Monaten 117 Prozent Auslastung bzw. immer knapp an die 100 Prozent, also durchschnittlich täglich fünf Kids im Haus. Manchmal sind es auch zehn, elf. Momentan erfüllen wir die Quoten, aber wenn es Kürzungen gibt, kann es uns genauso treffen. Aber es wäre natürlich furchtbar für die Jugendlichen. Unterbringungen gehen langsam und wo sollen sie sonst hin. Es gibt nichts anderes in der Form, wie es uns gibt.


(quass & bollig)
 

Links zum Thema:

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