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Ausgabe Nr. 38 - Donnerstag  6.5.1999 - Seite 2
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„Oesterreich, was ist das?“


So lautete die Gegenfrage von Guggenheim-Direktor Thomas Krens auf die Frage der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, wie es denn um die oesterreichischen Guggenheimprojekte stuende. Salzburg und Wien haben eine Riesenchance vertan, aber noch sind nicht alle Verbindungen zur Foundation gekappt.

 
Was heute noch serviert wird:

Museum am Moenchsberg (auf Seite 1)

Entwicklungen am Museumssektor (auf Seite 3)

Kulturpolitik und Sammlung Batliner (auf Seite 4)

Bilbao´s Schritt ins naechste Jahrtausend (auf Seite 5)


1988 reifte die Idee eines Museums im Moenchsberg. Hans Hollein ging als Sieger eines international ausgeschriebenen Architekturwettbewerbes hervor. Sein Projekt eines spektakulaer gestalteten und differenziert ausgebildeten Hohlraums wurde von der Guggenheim-Foundation, die auf der Suche nach einem europaeischen Standort gewesen war, aufgegriffen. Nach Meinung von Thomas Krens habe Hollein damit eines der bedeutendsten Gebaeude der Welt geplant.
Herbert Fux, zu dieser Zeit fuer die Gruenen im Parlament in Wien taetig, war empoert ueber die „Absurditaet ohnegleichen“. Gleichzeitig machte sich der damalige Buergermeister Josef Reschen (SPOe) fuer dieses Projekt stark, wurde aber vom Vizebuergermeister Josef Dechant (OeVP) kritisiert, voreilig gehandelt und bei den Kosten stark untertrieben zu haben.
Hollein speckte das Projekt stark ab, die Kosten sollten sich nunmehr auf 600 Millionen Schilling (43,6 Millionen Euro) belaufen. Im November 1990 erteilte Landeshauptmann Hans Katschthaler (OeVP) dem 900-Millionen-Projekt eine klare Absage. Damit war ein toter Punkt erreicht, der Traum vom Guggenheim Museum in Salzburg ausgetraeumt.
Inzwischen einigte sich Bilbao mit der Guggenheim-Foundation, und fing an, ein Museum zu planen. Das Resultat ist bekannt.

Als Grund fuer das Scheitern des Salzburger Guggenheim-Projektes nennt Thomas Krens in einem Interview mit dem „Standard“ den Kollaps der Sowjetunion. „Als wir 1989 die Studie praesentierten, war klar, dass Vranitzky die Entscheidung auf Nachwahlzeiten verschieben wuerde. Dann kamen all die Leute aus Osteuropa nach Oesterreich. Man fand wegen dieser „Trabis“ keine Parkplaetze mehr. Das hat die Einstellung veraendert. Es war letztlich eine strategische Entscheidung, die mit Waehlerstimmen zusammenhing. Die Umstaende sprachen nicht mehr fuer ein Kulturobjekt.“ Er fuegt aber auch hinzu, dass Bilbao erst durch Salzburg ermoeglicht wurde.

Oesterreich als Standort eines Guggenheim Museums ist wohl kaum mehr ein Gespraechsthema Denn mit Bilbao, Venedig und Berlin hat die Organisation schon drei Niederlassungen in Europa. Wichtiger scheint der Foundation, ein Gebaeude im asiatischen Raum zu verwirklichen.
Krens ist aber nach wie vor ein Verfechter des Hollein-Planes. „Wuerde man mich morgen fragen, ob ich Interesse an Gespraechen ueber dieses Projekt haette, wuerde ich sagen: Selbstverstaendlich. Es muss kein Guggenheim Museum werden. Es sollte gebaut werden, im Interesse fuer Salzburgs Zukunft.“

Enttaeuscht ueber die vertane Chance ist auch Wolf D. Prix, der gemeinsam mit Helmut Swiczinsky „Coop Himmelb(l)au“ bildet. „In Oesterreich wird Konfliktaustragung mit Bedrohung und Verhinderung verwechselt. Hier regieren die sechs P: Der junge Mensch ist erst progressiv, dann wird er durch die Umstaende programmatisch, spaeter pragmatisch, dann wird er protektioniert und in weiterer Folge pragmatisiert und damit wird er pensioniert.“

Welche Gelegenheit Salzburg verpasst hat, zeigt unter anderem der im Baskenland ausgeloeste Touristen-Boom. Bilbao hat gewagt und gewonnen. Salzburg haette auch gewinnen koennen. Aber hierzulande vertraut man lieber auf Mozart und zehrt an der grossen Vergangenheit.

(Hannes Kaschnig)
 

Links zum Thema:

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Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Foundation
Thomas Krens, Direktor der Guggenheim-Foundation

Hans Hollein – sein Entwurf für ein Mönchsbergmuseum wird wohl niemals realisiert werden
Hans Hollein – sein Entwurf für ein Mönchsbergmuseum wird wohl niemals realisiert werden

 
     

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