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Ausgabe Nr. 11 - Montag  30.11.1998 - Seite 3
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Gemuese fuer den Schnoesel


Das Restaurant Schloss Aigen bietet seit geraumer Zeit auch vegetarische Koestlichkeiten als Ergaenzung zum Salzburger Rindfleisch-Erlebnis an. Wir haben Speisen und Atmosphaere kritisch aufgenommen.

 
Was heute noch serviert wird:

Draussen vor der Tür - wanderbares Salzburg im Winter (auf Seite 1)

Wanderbares Aigen -- Der Verdacht (auf Seite 2)

Salzburg aus der Gemsenperspektive (auf Seite 4)

Morgenstimmung in der Stadt (auf Seite 5)


”Gemuesetarteletts“ steht auf der durchgeweichten Schachtel geschrieben, die an der hinteren Schlossmauer zwischen allerlei anderem Abfall ihrer letzten Bestimmung harrt. Die Laengsfassade laedt ebensowenig zu einem feinen Diner ein. Von vorne allerdings, gegenueber der Kirche, ist das kleine Schloss-Aigen-Universum stimmig.
Als Landhausstil koennte man bezeichnen, was den hungrigen Gast einlaedt, ein paar Stunden in Salzburgs Villen-Gegend zu verweilen.

Das Restaurant Schloss Aigen gehoert zusammen mit dem ”Purzelbaum“ im Nonntal und dem Restaurant ”Riedenburg“ im gleichnamigen Stadtteil zum gastronomischen Imperium des Grafen Altenburg.
Allen dreien eilt seit Jahren der Ruf voraus, kontinuierlich gute Kuechenleistung zu kontinuierlich ueberhoehten Preisen zu bieten.

Das Schloss Aigen ist das Salzburger Plachutta (die zwei erfolgreichen Wiener Rindfleisch-Lokalitaeten in Hietzing und in der Wollzeile), der Rindfleisch-Tempel fuer den geborenen und gelernten Oesterreicher.
Seit einiger Zeit wird dem Wunsche der Kundschaft entsprechend auch vegetarisch aufgetischt (und diese fuer Salzburg kleine Sensation auch kraeftig beworben).

Die besten Plaetze bleiben leer

Wir betreten, noch wallenden Blutes (und wallender Phantasie) nach unserem Spaziergang in die Aigner Wildnis, das bis auf einen besetzten Tisch leere Lokal. Der Kellner mustert uns –woran erkennt man eigentlich den vermeintlich geringen Inhalt unseres Portemonnaies? –ein wenig zu lange und teilt uns ein wenig zu ueberheblich einen Tisch zu. Neben dem Eingang und mitten im Raum.

Wir studieren die klassische Karte (das gekochte Rindfleisch, von welchem Teil des Tieres auch immer, wird in der Suppe im Kupferkessel mit seinen traditionellen Beilagen serviert und soll heute nicht Gegenstand unserer Betrachtung sein) und die kleine vegetarische. Dass wir den Inhalt der Schachtel, die wir entsorgt sahen, nicht auf der Karte finden, die Convenience-Gemuesetarteletts, beruhigt uns ein wenig.
Der Gruene Veltliner der Brueder Jurtschitsch schmeckt, wie er soll, der Kellner findet es allerdings nicht der Muehe wert, uns einen Blick in die Weinkarte werfen zu lassen.

Der Koch beherrscht sein Handwerk

Wie zur Versoehnung kommt der Gruss des Hauses, serviert von einer freundlichen, versierten Kellnerin: Das kleine Stueckerl vom Backhenderl schmeckt zart und frisch herausgebacken, der Kartoffelsalat leider zu kalt (schweres Vergehen) und zu wenig wuerzig.
Die vegetarischen Hauptgerichte, die folgen, sind schoen anzusehen und die Aromen (die nicht aus dem Hause Knorr kommen duerften) verfuehren Nase und Gaumen: Koestlich und am Punkt gegart das Schwarzwurzelgratin mit Blattspinat, schoen rund und mit mediterranen Kraeutern aromatisiert die Auberginen-Tomaten-Lasagne.
Dass fuer beide Gerichte ohne irgendeine Beilage jeweils 145,- zu bezahlen sind, schmerzt angesichts unseres appetitanregenden Spazierganges besonders.

Unbezahlbaren Unterhaltungswert hat allerdings die zweite Kellnerin, die den graeflichen Besen verschluckt zu haben scheint. Ganz in Landhausmode gehuellt, der gediegenen Einrichtung aus gebeiztem Holz angepasst, stolziert sie wie fuer einen Orthopaedenkongress durch den Raum.

Herzlich Willkommen?

Willkommen fuehlten wir uns an diesem Abend nicht im Schloss. Das muss wohl an uns liegen, wir waren von der Wanderung ebenso durchnaesst wie die ausrangierte Grosshandels-Schachtel an der Altenburgschen Hausmauer und vergassen obendrein, Gummistiefel und Barbour-Jacke gegen Goiserer und Dirndl zu tauschen.

Der Koch beherrscht sein Handwerk allerdings auch, wenn er im Gemuesegarten wildert, und laesst sich vom Schnoesel im Service nicht beeintraechtigen. Die Rindfleisch-Variationen (Wiener Mélange!) brauchen nicht mehr empfohlen werden, wer dafuer extra nach Wien faehrt, ist selber schuld.
Wer im Schloss Aigen fuer herablassende Behandlung und kleine vegetarische Gerichte zu viel bezahlen moechte, ist es auch.
Wir empfehlen, dem Kellner ”die Wadln viari z’richten“ oder dem hervorragenden Koch, sich eine neue Wirkungsstaette zu suchen.

Restaurant Schloss Aigen
Schwarzenbergpromenade 37
5026 Salzburg-Aigen
fon & fax 0 66 2/62 12 84
Reservierung empfohlen
(sei)
 

Links zum Thema:

zum Nachkochen: Vegetarische Kochbücher Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

zum Nachlesen: Gault Millau Link zu einer Seite ausserhalb des SalzBurgers!

   
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