Schreibwerkstatt
Basics journalistischer Textformen

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ALLES IST RELATIV, auch die Form des Schreibens | Journalistische Formen sind Stilmittel im Dienste des leichteren Verständnisses; Konventionen, die von geübten Schreibern verändert und an Inhalte der Berichterstattung angepaßt werden können.

Dabei spielt die Gestalt von Medien (ihr Format) ebenso eine wichtige Rolle wie Moden so wie die Prägung unserer Wahrnehmung durch Medienkonsum. Die Dominanz der Unterhaltungsindustrie hat heute einen wesentlichen Einfluss auf journalistische Darstellungen: Sie sollen, bei der Verpflichtung zu Tatsachen, so weit unterhaltend sein, dass sie in die Konkurrenz zum Entertainment bestehen können.

Medientechnologie beeinflusst die Form gleichermaßen: So ist der technische Hintergrund der gängigen "Informationspyramide" (die Ordnung der Information in der Reihenfolge: Das Wichtigste an der Spitze, ein immer breiterer Hintergrund als Basis) die Technologie des Bleisatzes. Denn der Setzer konnte in eine einmal geschriebene Geschichte nicht eingreifen – er konnte sie nur am Ende kürzen, idealerweise an einem Satzende. Daraus entstand das Diktum, das gut geschriebene Berichte vom Ende her kürzbar sein müssn.

PC-Technologie hat diese Logik geändert: Denn der Satz bleibt bis zum Schluss flexibel, es ist genauso einfach in der Mitte wie am Ende zu kürzen, und der Autor ist sein eigener Setzer. Dafür fordert der Aspekt der Unterhaltung seinen Tribut: Geschichten sollen nicht nur faktisch richtig und inhaltlich wichtig sein, sondern auch möglichst unterhalsam zu lesen. Das bedingt eine andere Dramaturgie von Texten: Anfang, Mitte, Ende – eine Spannung, die sich (und den Leser) bis zum Schluss halten soll.

Online-Medien und ihre jetzige Form des Konsums – überwiegend am Bildschirm – sind ein weiterer solcher Einschnitt, dessen Auswirkungen erst begriffen werden müssen. Derzeit gilt das Diktum nicht länger schreiben als eine Bildschirmseite und etwas darüber hinaus, um Leser zu halten. Aber auch hier muss erst gelernt werden, was die eigentliche Gestalt des Mediums ist, um dafür Textformen entwickeln zu können: Sind es die ausgedruckten Seiten, die jemand in die U-Bahn mitnimmt? Ist es der Bildschirm, vor dem man im Büro sitzt? Das Handy-Display? Ein künftiges, heute noch nicht bekanntes Lesegerät?

Es bleibt eine Grundaufgabe: Klarheit und Verständnis durch das Geschriebene zu schaffen. Dabei helfen Formen, an die wir nicht nur als Schreibende, sondern auch als Lesende gewöhnt sind. Beherrscht man die Form, steht sie -- wie in der Musik -- zur Disposition und kann dem jeweiligen Thema untergeordnet werden.